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Vegetarische Fleischwurst

Ich werde ab und zu gefragt, warum „WirVegetarier“ (das scheint ja inzwischen ein Wort zu sein. Ein Wort auf gleicher Ebene wie „IhrVegetarier“) zum Grillen vegetarische Bratwürstchen mitbringen oder gerne mal einen vegetarischen Burger essen oder auch vegetarische Bolognese zubereiten. Man klärt mich dann schnell über den Hintergrund der Frage auf. Nämlich, dass der Vegetarier an sich ja anscheinend vom Fleischkonsum nicht lassen kann, wenn er dieses „Fleisch für Abstinenzler“ verspeist. Sprich, „WirVegetarier“ wollen eigentlich gar nicht auf Fleisch verzichten, sondern tun dieses nur, um Fleischesser mit unserer Anwesenheit auf die Nerven zu gehen und sie mit moralischen Werten unter Druck zu setzen.

Sie merken natürlich gleich, dass diese Herleitung recht weit hergeholt ist (wie der Name ja sagt). Also ich mache mir jetzt einmal die Mühe und erläutere Ihnen das Prinzip der vegetarischen Fleischwurst.

Wir befinden uns in der Industrie und hier im kaufmännischen Bereich. Da kommt nun Chef XY und sagt: „Tofu ist lecker, da mach’ ich mal einen Klumpen zum essen draus.“ Gesagt, getan. Herr XY produziert Tofuklumpen und jeder Mensch, der Tofu mag, freut sich und kauft ihn, den Klumpen. Irgendwann sitzt Herr XY mit seiner Frau am Abendbrottisch und sagt: „Mein Tofuklumpen verkauft sich ja ganz gut, aber mein Schloss mit Parkanlage kann ich mir davon nicht kaufen. Wie kann ich mehr Geld verdienen?“

Frau XY ist schlau. Sie erklärt nun Herrn XY, dass Tofu etwas ist, das die Menschen nicht kennen. Und wat de Bur nich kennt…! Also wird der Tofuklumpen meistens nur von Vegetariern gekauft. Die Gruppe der Vegetarier, erklärt Frau XY, ist aber hierzulande ein recht kleines Grüppchen. Deshalb verdient Herr XY nicht soviel Geld.

„Was kann ich denn dann machen?“, fragt Herr XY und seine Frau antwortet: „Du musst deinen Tofuklumpen auch an Nicht-Vegetarier, also an Fleischesser verkaufen.“

Herr XY schüttelt resigniert den Kopf. „Nein, kein Fleischesser isst einen Tofuklumpen, wenn es so leckere Sachen wie Bratwürstchen, Burger oder Bolognese gibt.“ Und dann hat Frau XY die Idee: „Wenn wir wollen, dass Fleischesser unseren Tofu essen, dann muss unser Tofu eben aussehen und schmecken wie Fleisch!“ Gesagt, getan. Seitdem gibt es vegetarische Bratwürstchen, vegetarische Bolognese und vegetarische Burger.

Liebe vegetarierferne Bevölkerung, all diese fleischförmigen, vegetarischen Produkte stellt die Industrie NICHT für Vegetarier her, sondern um ihre Kundschaft zu vergrößern, Sie persönlich mit an Bord zu holen und Kapital zu maximieren. Dem Vegetarier hätte auch der schlichte Tofuklumpen gereicht.

Und wenn Sie wirklich gedacht haben, wir Vegetarier essen vegetarische Fleischwurst nur, weil wir es nicht schaffen, auf Fleisch zu verzichten, dann mache ich mir über die Verkeimung in unserem Fisch und Fleisch wirklich ganz große Sorgen! In diesem Sinne: Guten Appetit!

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