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Was Autoren heute alles können (müssen).

Kennen Sie das auch? Diese Frage: Warum schreiben Sie denn? Und man antwortet das Übliche, was jeder Autor auf diese Frage so antwortet: Ich wollte schon immer schreiben. Ich habe schon als Kind Geschichten geschrieben. Blablabla.

Das ist ja klar. Schreiben ist ein Hobby, das man in sich hat. Genauso wie Hobbysportler schon immer gerne Sport getrieben haben, Handarbeitbegeisterte schon immer an irgendetwas herum gefuddelt haben oder Handwerker schon als Kind gerne geschraubt und gehämmert haben. Neigungen, Interessen. Es liegt also auf der Hand, dass ein Autor schon immer gerne geschrieben hat. Das ist eigentlich eine totlangweilige Antwort.

Es gibt einige Autoren, die es geschafft haben ihr Hobby zum Beruf zu machen und damit Geld zu verdienen. Was ja im Prinzip auch nicht so spektakulär ist: Sein Hobby zum Beruf machen. Es gibt immerhin auch Handwerkberufe, Profisportler und so weiter. Die Antwort auf die Frage: ‚Warum gerade schreiben?’ ist, zumindest in meinem Fall, eine andere. Die Antwort lautet:

Weil ich es nicht SAGEN will.

Ich schreibe Dinge, die ich nicht sagen will oder kann. Man sieht so viel, man hört so viel und man empfindet so viel. Wir sind heute komplett überinformiert und überreizt. Das Schreiben stellt für mich ein Ventil dar, das all diese Informationen kanalisiert und verarbeitet. Man hat eine Meinung und impft sie dem Protagonisten ein. Man hört eine total abartige, absurde Meinung und lässt seine Figuren darüber diskutieren und einen Konflikt entstehen. Ich gebe es zu, ich bin kein großer Redner. Ich kann auch nicht schön diskutieren. Ich brauche relativ lange, bis mir die richtigen Argumente einfallen. Will sagen: Schlagfertigkeit ist nicht mein Ding. Dafür sind meine Figuren schlagfertig. Das freut mich für sie.

Ich kann mich beim Schreiben konzentrieren, ich kann lange und in Ruhe überlegen, wer was sagen soll, wie sich Figuren verhalten sollen und was als nächstes geschieht. Und wenn mir ein Dialog nicht gefällt, kann ich ihn wieder und wieder durchspielen, bis alles passt. Das geht im wirklichen Leben nicht. Dabei bin ich ganz mit mir alleine. Ich mag das. Ich fühle mich beim Schreiben nicht einsam.

Ich bin ja nur Hobbyautorin. Ich wurde noch nie veröffentlicht. Aber ich ertappe mich dabei, wie ich in Gedanken durchspiele, wie es wäre, wenn ich Erfolg hätte. Was machen all diese bekannten Autoren? Sie fahren zu Lesungen, zu Messen, sie gehen in Talkshows, sie werden interviewt. Autoren sind heutzutage richtige Multitasking-Entertainer. Wenn ich sehe, was Autoren auf ihren Lesungen für Anekdoten erzählen, locker aus der Schule plaudern und das alles ohne Skript und doppelten Boden, ohne Angst und Lampenfieber, bin ich total beeindruckt.

Ich könnte das nicht. Nein, viel mehr: Ich WILL das nicht! Denn, zurück zum Anfang dieses Posts, ich schreibe, weil ich NICHT reden will. Ich dachte immer, das geht allen Autoren so. Sich zurück ziehen. Ruhig sein. Introvertiert sein. Ich gewinne manchmal den Eindruck, dass viele Autoren nur schreiben, um endlich sichtbar zu werden. Sie wollen reden, sie wollen in Full-HD zu sehen sein und sie wollen in Dolby-Surround zu hören sein. Das alles ist mein größter Albtraum.

Natürlich bin ich eitel. Ich möchte, dass Sie eines Tages meine Bücher lesen und ich möchte, dass Ihnen meine Geschichten gefallen. Ich möchte, dass Sie meine Erzählungen beiseite legen und denken: ‚Das hat mich gut unterhalten.’ Aber können wir es nicht dabei belassen? Wir sehen uns nicht. Wir hören uns nicht. Ich unterhalte mit dem geschriebenen Wort und nicht mit meiner Person?

Warum schreiben Sie?

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3 Kommentare zu “Was Autoren heute alles können (müssen).

  1. Hallo schriftsteller1,

    danke für diese Gedanken. Ich habe mit einer ähnlichen Einstellung angefangen wie Sie. Ich wollte nie öffentlich reden, hatte Angst davor. Aber da der Erfolg ja meist in Schritten kommt, wenn er denn kommt, konnte ich in vieles hineinwachsen: die Diskussionen mit Verlag und Agenten, die Lesungen, die mir heute riesigen Spaß machen, die Leserfragen, die Kritiken.
    Doch auch bei mir bleibt die Arbeit am Text, an einer Geschichte, das Wesentliche, das Eigentliche, der Grund, warum ich schreibe: Der Spaß, mir eine Geschichte auszudenken und sie zu erzählen, zunächst nur mir. Und oft auch keinem anderen.

    Gruß,
    Stephan Waldscheidt

  2. Die Antwort, die Sie hier geben, ist selbstverständlich nur ihre persönliche. An manchen Stellen scheint es, als versuchten Sie alle Schriftsteller über einen Kamm zu scheren.
    Ich denke allerdings, dass sich viele Schriftsteller beleidigt fühlen würde, wenn Sie ihre Schreiberei auf ein Hobby reduzieren würden. Viele Schriftsteller – zumindest doch die großen Autoren der Höhenkammliteratur, würden mit Sicherheit eher antworten, dass sie schreiben müssen, nicht dass sie schreiben wollen.
    Weiterhin ist Schreiben mehr als die Unfähigkeit zu sprechen. Man denke auch an die zahlreichen Autoren die auch grandiose Redner sind und sich geradezu nach dieser Möglichkeit der Aufmerksamkeit sehnen.

    • 1. Natürlich schreibe ich in meinem Blog lediglich meine Meinung. Wessen sonst?
      2. Um das ganz klar zu stellen: Ich habe Hochachtung vor jedem Autor! Nichts liegt mir ferner, als einen Autor zu verunglimpfen. Ich denke auch nicht, dass irgendein Autor sich von mir beleidigt fühlen wird. Ich würde mich nie erdreisten. Und das gibt der Text auch nicht her. Im Gegenteil: Ich bewundere jeden Autor für die professionelle Öffentlichkeitsarbeit. Ich sage nur, dass ich mir das nicht zutraue.
      3. Die Frage am Ende: ‚Warum schreiben Sie?‘ sollte implizieren, dass es zig Meinungen neben meiner eigenen gibt.

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