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4 Tage an 5 Seen – Teil 3 – Au Restaurant

Wir bekamen im Hotelrestaurant einen wunderschönen Tisch direkt am Fenster. Es offenbarte sich uns ein herrlicher Blick über den See und die Sonne, die in unendlich vielen Orangetönen in dem dunkelblauen Wasser zu zerlaufen schien.

In diesem Raum waren nur ein paar Tische besetzt, dennoch blieb die Atmosphäre irgendwie angespannt. Die pampige Kellnerin bat uns Platz zu nehmen, schob uns die Speisekarten zu und wiederholte: „Sie müssen ganz viel Zeit mitbringen. Heute dauert es sehr lange. Das ist nun mal so.“ Dann ging sie hinfort. Wir saßen da, die Schultern bis an die Ohren gezogen, schmallippig und entschuldigten uns innerlich für die dreiste Störung beim Servicepersonal. Schrecklich, diese Gäste, die nichts als Arbeit verursachen.

Waldorf

Ein älterer Kellner, ca. 100 Jahre alt (hatte optisch Ähnlichkeit mit Waldorf von Waldorf and Statler aus der Muppet Show), kam zu uns und nahm unsere Getränkewünsche (eine Flasche Wasser und eine Flasche Rotwein) auf. Alles ging seinen Gang, als ein Gast am Nachbartisch plötzlich das Unfassbare tat!

Die Beschwerde

Er beschwerte sich darüber, dass sein Wein nach Kork schmeckte! Der völlig überforderte Waldorf kam ungestüm an seinen Tisch, schnüffelte unappetitlich an dem Glas und bemerkte zickig: „Wenn Sie meinen! Ich kann nichts riechen!“ Dennoch brachte er murrend ein neues Glas dunkelrotes Getränk und uns die bestellte Flasche Wein. Dann nahm er unsere Bestellung auf (Vorspeise Salat, Hauptspeise Fisch und Vegetarisch) und eilte hinaus. Wir kicherten infantil: „Gut, dass er unser Wasser vergessen hat und nicht den Alkohol!“

Der Wein des Anstosses

Mit einer geöffneten Flasche Wein trat Waldorf plötzlich triumphierend an den Tisch des anderen Gastes: „Ha! Ihr Merlot kann gar nicht korkig geschmeckt haben. Der hatte nämlich Schraubverschluss!“, lachte Waldorf siegessicher.

Der Gatte und ich sahen uns sprachlos an. Der Gast fand das derweil gar nicht komisch. „Das ist nicht der Merlot, den ich vorher hatte. Der Wein hier schmeckt ganz anders.“ „Nee, das kann nicht sein! Wir haben nur einen Merlot auf der Karte und der hat Schraubverschluss!“ Waldorf ging mit stolz geschwellter Brust. Ich rieb mir vorfreudig die Hände.

Das hier war besser als fernsehen!

Unglaublich, wie Hotels auf dem Land funktionierten. Der Gatte und ich kamen aus dem heimlichen Gniggern gar nicht mehr raus.

Man brachte uns dann im Minutentakt Brot mit Butter, den Salat und keine fünf Minuten später, als wir noch aßen, die Hauptspeise. Dafür, dass wir uns auf eine lange Wartezeit einstellen sollten, ging hier alles recht Hopplahopp. In der Eile gab es natürlich auch keinen „Gruß aus der Küche“, aber der hätte wohl auch nicht mehr auf den Tisch gepasst.

Beschwerde Teil 2

Die gestrenge Kellnerin kam derweil auch mal wieder vorbei und räumte am Nachbartisch die Teller ab. Der penetrante Gast ließ nicht locker: „Der Wein, den Sie zum Menü anbieten, ist das der gleiche wie der in der Karte?“ „Nein, der Wein aus dem Menü steht nicht in der Karte.“ „Ha!“, machte jetzt der Gast. „Und hat der einen Korkverschluss?“ „Ja.“, antwortete die Kellnerin wahrheitsgetreu und der Gast klärte sie über den Disput mit Waldorf auf.

Die gestrenge Kellnerin zog mit ihren Tellern von dannen und traf unterwegs Waldorf, der gerade vier Desserts auf einem Tablett balancierte. „Was ist? Was ist denn?“, zischte er hektisch, weil er das Gespräch beobachtet hatte. Der Gatte und ich aßen stumm mit eingezogenen Köpfen unsere dargereichten Speisen und beobachteten diese Szenerie gespannt.

„Nichts, bring erstmal das Dessert zu den Gästen.“ „Nee, sag doch mal. Was wollte der?“ Die gestrenge Kellnerin wiederholte leise: „Bring erstmal das Dessert zu den Gästen. Und dann komm raus.“ Sie ging. Waldorf stellte sein Tablett unsanft, laut scheppernd am Nebentisch ab und sagte laut:

„Eine Unverschämtheit!“

Das Ende vom Lied war, dass der Gast ein neues Glas Wein bekam. Den richtigen Merlot aus einer neuen Flasche ohne Kork. Waldorf nuschelte sich etwas von „Missverständnis“ in den Bart, entschuldigen wollte er sich offensichtlich nicht. Wir aber beeilten uns mit dem Essen und gingen. Nicht ohne, dass der Gatte Waldorf ein fürstliches Trinkgeld gab. Als Vorauszahlung für unseren nächsten Besuch, als Trostpflaster und als Honorar für die tolle Unterhaltung!

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