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Dann klaue ich mal 1000 Bücher…

Irgendwo unterwegs unterhalten sich mir unbekannte Personen über ihre Urlaubsvorbereitungen. Ich wäre kein Schreiber, wenn ich nicht ständig da lauschen würde, wo es vermeintlich interessante Geschichten zu hören gibt. Und interessant wurde es, als ein junger Mann meinte, sein Bekannter solle einen Ebookreader mit in den Urlaub nehmen, er hätte da eine CD mit ca. 1000 Büchern. Der Kumpel fragte, was denn das für eine CD sei und wo man die herbekomme. Der Freund erklärte, dass ein Kollege die Bücher für lau aus dem Internet gesogen habe. Das wäre ja das geile an Ebooks, dass man jetzt alle Bücher umsonst kriegen könne, wie bei den Filmen. Und dann freuten sie sich. Die Jungs. Über ihre Schnäppchen.

Unrechtsbewusstsein? Wertschätzung?

Der Nachtschrank meines Vertrauens

Ich hatte sofort ein Bild im Kopf, wie die zwei Typen durch eine reale Buchhandlung streifen, mal eben 1000 Bücher in eine Tasche werfen und dann abhauen. Könnte nie passieren. Schon rein logistisch. Aber das würden sich diese Menschen wohl auch gar nicht trauen. Die Angst, erwischt zu werden, wäre viel größer. Und da haben wir dann den Kerngedanken einer jeden kriminellen Energie. Wo war eigentlich das schlechte Gewissen oder die Spur Unrechtsbewusstsein dieser Freunde? Die waren akkurat gekleidet, nicht doof im Kopf und offensichtlich sogar Leser! Für die Jungs, die übrigens an die 40 Jahre alt, also deutlich erwachsen waren, war der Bücherdiebstahl eine Selbstverständlichkeit, die mit Unrecht nichts zu tun hatte. Was so ein Buchklau nach sich zieht, wollen sie nicht sehen. Sie halten das für ein Kavaliersdelikt. Wenn es funktioniert und ich niemals erwischt werde, dann ist es doch okay. Weiter heißt es dann: Wieso? Macht doch jeder!

Mich macht diese Geschichte in vielerlei Hinsicht sehr traurig.

1. In jedem Buch steckt ganz viel Arbeit. Für den Autor, aber auch für den Verlag. Wer ein wenig Wertschätzung gegenüber Arbeit und Arbeitenden empfindet, der bezahlt dafür (das gilt natürlich genauso für die Musik- und Filmbranche). Wo ist sie hin, diese Wertschätzung? Geiz ist geil oder was?

2. Ist es nicht eigenartig, dass es die gleichen Leute sind, die Politikern wie Wulff und Co. ihre Unzulänglichkeiten vorwerfen und dann selber Bücher, Filme und Musik stehlen? Findet hier gar keine Reflektion mehr statt? Im Gegenteil! Wenn ich mit meiner Wertschätzung und den „Ich bezahle gerne für ein Buch“-Argumenten komme, werde ich als spießig abgetan und leise belächelt!

Kaufmännische Grundregeln

Andersherum denke ich, ich habe doch so etwas wie Erziehung genossen. Es wird einem im Kindesalter beigebracht, was richtig und was falsch ist. Dass ich für eine Dienstleistung und für eine Ware bezahlen muss, die ein anderer erschaffen hat, ist doch eine kaufmännische wie gesellschaftliche Selbstverständlichkeit. Das Internet aus dieser einfachen kaufmännischen Grundregel auszuklammern, ist schon reichlich unverschämt.

Ich will hier keine Debatte über Urheberrecht und diese ganzen Dinge führen, weil ich davon keine Ahnung habe. Ich habe noch weniger Ahnung von Kopierschutz und anderen technischen Details. Ich argumentiere hier rein intuitiv aus dem Bauch heraus über ein Richtig/Falsch-Empfinden und über den Verlust der Wertschätzung.

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