Ein Kommentar

Schreibkurs am Rande des Wahnsinns

Vor ein paar Jahren dachte ich so bei mir, dass jetzt der geeignete Zeitpunkt wäre, um meinen Kindheitstraum vom Schreiben wahr zu machen. Also habe ich mich mutig bei einem Schreibkurs angemeldet. Volkshochschule! Wissen Se Bescheid!

Später Nachmittag in der VHS. Oben im 1. Stock waren die Klassenräume. Schon mal ganz schlecht fürs Karma. Ich bin nie gerne zur Schule gegangen und war sehr froh, als diese Zeit endlich hinter mir lag. Wie soll ich da in einem Klassenzimmer kreativ sein?

Ich setzte mich ans rechte äußerste Ende der in U-Form gestellten Tische, um der Ausgangstür so nah wie möglich zu sein. Der Raum füllte sich. ‚Immer lächeln.’, dachte ich krampfig, ‚Immer brav lächeln!’ Der feine Herr Dozent war ein kleiner, älterer Mann mit wenig weißem Haar. Er war Journalist und Buchautor und außerdem Herr Doktor. Dann sollten wir uns vorstellen.

„Ich bin supertoll, habe schon 3 Bücher geschrieben und will hier mein Können verfeinern!“

„Ich bin megatoll, habe ein Roman in Arbeit und will hier meinen Stil verfeinern.“

„Ich bin supermegatoll, schreibe schon lange Zeitungsartikel für div. Zeitungen und will hier alles einmal verfeinern.“

Alle, die sich vorstellten waren so toll, dass ich auf meinem Schulstühlchen immer kleiner wurde. Und ich? Hab nix, kann nix, bin nix? Mich beschlich der leise Verdacht, dass dieser Kurs nur dazu diente, dass sich die Teilnehmer einmal mehr produzieren konnten.

Ich stellte mich als Letzte mit quasi gar nichts vor. Dann ergänzte ich nervös kichernd: „Ich komme gebürtig aus einer Kleinstadt. Da hat man es lieber, wenn man einen anständigen Beruf erlernt. Deshalb fange ich jetzt erst richtig mit dem Schreiben an.“ Das war eher witzig gemeint, aber der Herr Doktor sah mich scharf an und erwiderte dann näselnd:

„Viele große, weltbekannte Literaten kommen aus Kleinstädten und Dörfern. Sie nutzten das Schreiben, um sich daraus zu befreien.“

Die Gruppe kicherte und ich war verwirrt. War der gerade fies zu mir? Ich konnte gar nicht mehr dem Unterricht folgen, weil ich gefangen war in dieser Sprachblase aus dem Mund vom Herrn Doktor. Ich schielte heimlich zur Tür.

Dann lasen wir eine kurze pointierte Geschichte, die mir sehr gefiel. Doch alle anderen ereiferten sich, dass die Geschichte nicht logisch wäre, man die Pointe ja von Anfang an schon vermutet hatte und dass überhaupt der Schreibstil ganz schlecht wäre. ‚Was für eine Unverschämtheit!’, dachte ich. Die Geschichte war clever, schön zu lesen und hatte ein unerwartetes Ende. Sie hat das getan, was Geschichten eben tun sollen: Sie hat mich gut unterhalten.

Diese Arroganz der Schreiberlinge plus diesem eigenartigen Herrn Doktor, empfand ich als den Tod einer jeden kreativen Energie. War es den Leuten wirklich wichtig hier etwas zu lernen??? Nie im Leben hätte ich mit einem von diesen eigenartigen Leuten diskutieren wollen. Ich fuhr mein Gehirn in den Standy-Modus und wartete brav auf das Ende der Stunde. Durch meine clevere Positionierung war ich als Erste aus dem Raum heraus und flüchtete durch die Flure. Mein Ziel: Das nächste Café. Ich brauchte danach einen XXL Caffe Latte und einen Brownie, um meine Nerven zu beruhigen.

Schreibkurse? So kann ich nicht arbeiten!

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Ein Kommentar zu “Schreibkurs am Rande des Wahnsinns

  1. Hallo,

    Ich lese dein Blog sehr gerne & habe mich nun köstlich über diesen Artikel amüsiert, da ich an zahlreichen Schreibkursen teilgenommen habe – übrigens auch immer mit nichts, dafür mit Freude. Zum Glück waren Leiterin und Teilnehmer immer nett und nie arrogant.ich kann mir aber auch vorstellen, dass das anders sein kann.unter solchen Bedingungen, wie du sie hier schilderst, könnte ich auch niemals kreativ sein…

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