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Sóller Teil 3

Port de Sóller

Schrachelnd und pfeifend rattert die historische Tram an dem improvisierten Bahnsteig, bestehend aus einem schmalen Betonklotz an der Hauptstraße, vorbei, ehe wir ihn erreicht haben. Die Tram zieht geräuschvoll ihre Bahnen zwischen Sóller und Port de Sóller und stellt damit ein Wahrzeichen und prägendes Erkennungsmerkmal dieser Gegend dar.

Tram

Tram

Wir fluchen leise über das Verpassen der Bahn und beschließen dann, unseren Weg an die Strandpromenade per pedes zurück zu legen. Lieber nicht an der lauten und für uns Deutsche unglaublich gefährlich unreglementierten Straße entlang, sondern einem schmalen Pfad durch die unverwechselbare Natur folgend. Es geht bergauf und bergab über Stock und Stein, kleine Brücken über einen im Sommer stets ausgetrockneten Flusslauf bis hin zu einer verkommenen Hotelruine, die für mich inzwischen ebenfalls ein Wahrzeichen dieser Gegend ist.

Hotelruine Rocamar

Hotelruine Rocamar

Das ehemalige Hotel Rocamar habe ich, obwohl ich schon etliche Jahre hierher komme, nie in Betrieb gesehen. Dem, trotz seines gelben Anstrichs düster wirkendem Hotel, fehlen inzwischen alle Fenster und Türen. So kann man erkennen, dass das Hotel einmal fertig gestellt war. Es sind noch Tapeten an den Wänden, die Bar ist noch eingebaut und hier und da findet man Tische und Stühle.

Hotelruine Rocamar

Hotelruine Rocamar

Vor der Ruine, die interessanterweise Ausgangspunkt vieler Wandertouren in die Berge ist, findet sich ein weiteres kleines Gebäude, dass wohl einmal die Poolbar darstellte. Hier ist alles komplett zugemüllt und morsch. Die meisten Leute rümpfen die Nase, wenn sie hier vorbei kommen. Ich wiederum finde diese Ruine magisch. Es ist wie bei einem Unfall: so schrecklich es auch ist, man muss einfach hinsehen. Der verkommene Hotelkomplex zeigt eben auch eine typisch mallorquinische Seite. Es wird angefangen etwas zu bauen, dann ändern sich irgendwelche Gegebenheiten (politische, bautechnische oder monetäre) und die Projektbetreiber gehen und hinterlassen alles im halbfertigen Zustand. So empfinde ich dieses Mahnmal als exemplarisch.

Lässt man das „Hotel“ Rocamar hinter sich und folgt noch ein wenig dem Straßenverlauf der Hauptstraße, ist es auf einmal da. Wie aus dem Nichts taucht es vor einem auf und zieht einen so kraftvoll in seinen Bann, dass man sich dem Anblick nicht mehr entziehen kann.

Das Meer.

Bucht Port de Sóller

Bucht Port de Sóller

Die unglaublich schöne Bucht Port de Sóller zeigt sich zu jeder Jahreszeit in einer fesselnden Schönheit, dass man einfach stehen bleiben und schauen muss. Überall scheint das Meer einen anderen schimmernden Farbton anzunehmen. Vor Türkis über Grün bis zu einem tiefen, dunklen Blau ist alles dabei. Überall wogen kleine Motorschiffe und Segelboote sanft in den schwappenden Wellen. An der Hafenmole liegen ein paar Yachten und Ausflugsschiffe und an dem schmalen Strandstreifen tummeln sich die Urlauber mit glücklichen Gesichtern.

Durch den schmalen Strand wird Port de Sóller in den Reiseführern oft eher negativ dargestellt und der Gatte und ich sind damit sehr einverstanden. So sind viele Touristen hier nur Tagestouristen, die gegen Abend wieder abfahren in die typischeren Touristengegenden irgendwo auf der Insel.

Wir folgen der Hauptstraße, die in den letzten Jahren so vorteilhaft umgebaut wurde, dass wir ganz aus dem Häuschen sind, bis zum Hafen und setzen uns in unser Lieblingscafé Albatros.

Hafen

Hafen Port de Sóller

Dort ordern wir unseren heißgeliebten Café con leche und heften unsere Blicke an die Urlauber und die Bucht. Man hat keine Chance hier ein Buch zu lesen. Das Auge hat hier so viel zu sehen, den Trieb muss man befriedigen. Die Sonne knallt unerbittlich vom Himmel, so dass ich nun endlich zum Strand will, um in der schönen Bucht zu schwimmen.

Der Fussmarsch ist lang, da wir unser Domizil gerne auf der anderen Seite der Bucht aufschlagen. Vor dem Restaurant Agapanto (eines der schönsten Restaurants der Gegend!) kann man Liegen mit Schirm mieten und dazu die fantastischen Getränke und Speisen aus dem Agapanto direkt an den Strand bestellen.

Agapanto

Agapanto

Der Weg zum Agapanto führt uns über die wunderschöne Strandpromenade, die mit ihren Palmen, den schönen Cafés und Restaurants und den vielen Menschen quirlig und dennoch entspannt wirkt. Die Menschen sind hier glücklicher, als anderswo und diese Aura strahlt die ganze Promenade wieder.

Strandleben

Als wir am Agapanto unsere Liege bezogen haben, reiße ich mir euphorisch die Kleidung vom Körper und stürze mich in das ruhige Wasser. Das Meer ist hier so salzhaltig, dass man ohne sich groß zu bewegen, einfach schweben kann. Die Geräusche vom Strand und von der Promenade verstummen und man ist gänzlich mit sich selbst und dem Meer alleine.

Immer wieder überlegen der Gatte und ich, wie es wäre hier zu leben und zu arbeiten. Geht dann die Magie verloren? Funktioniert der Zauber nur, wenn man weiß, dass man wieder abreist? Oder würden wir diese Art der Lebensqualität verinnerlichen. Dieses einfache, schlichte Leben mit der Natur und dennoch alle Annehmlichkeiten eines Urlaubsortes zu haben. Wir reisen viel und haben schon ganz tolle Orte entdeckt, wo wir sehr glücklich waren. Aber nirgends war es so schön, wie in Sóller.

Beach

Beach

 

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