Ein Kommentar

Ätzforen – Die Spuckbecher der Nation

Haben Sie im pikanten Internet schon einmal einen Artikel gelesen? Haben Sie sich dann gefragt, was sie über den Inhalt denken sollen und sich überlegt: „Ich schaue einmal nach, was andere Leute so über diese Sache denken und bilde mir dann eine fundierte Meinung.“ Und dann sind Sie dem Artikel ins sog. Forum gefolgt und …

… waren zutiefst genervt? So wie ich?

Onlineforen

Ein Journalist der taz nannte den Ton in den Foren kürzlich „ekelhaft“!

Es wird beleidigt, es wird kluggeschissen und es wird sich arrogant gelangweilt. Ich sage Ihnen auch, was es nicht gibt: Respekt vor der Meinung anderer! Es ist ganz egal, welches Forum Sie sich vornehmen: etablierte Nachrichtenmagazine, Boulevardmedien oder Social Media Plattformen. Es läuft immer nach demselben Schema ab:

Ein Artikel steht zur Diskussion, jemand schreibt im Forum dazu seine Meinung und schon geht es rund. Ein User bescheinigt dem anderen absolute Ahnungslosigkeit (er selber weiß es natürlich als einziger besser). Ein User fragt sich, warum es überhaupt Menschen gibt, die sich für so unwichtige Themen interessieren (hat sich aber selber offenkundig für das Thema interessiert). Ein User gibt den Hinweis, dass es doch wichtigere Themen in der Welt gibt (ja, sicher, gibt es immer! Und?). Ein User amüsiert sich über die Rechtschreibfehler seines Vor-Posters. Ein User prangert eine Meinung an und unterstellt dem Schreiber fanatische Fehl-Gesinnung. Ein User beleidigt den Autor des Artikels einfach aus Bock. Ein User macht sich mit triefendem Zynismus und übler Herablassung über alle „Ahnungslosen“ lustig (er selber weiß natürlich, wie die Welt besser funktionieren könnte, behält es aber lieber für sich!). Und so weiter und so fort. Mir wird übel, wenn ich so etwas lesen muss.

Was ich so gerne in Online-Foren lesen würde, sind Meinungen. Ich lese Artikel im Internet und lasse sie erstmal wirken, um mir in Ruhe zu überlegen, welche Meinung ich dazu habe. Ich finde es dann oft hilfreich, wenn man in Foren unterschiedliche Aspekte und Sichtweisen vorgetragen bekommt, die zur Meinungsfindung beitragen können. Mal stimme ich zu, mal nicht. Dafür brauche ich aber zwei Dinge:

1. Ich muss beim Lesen erstmal offen für alles sein und

2. Ich muss auch mal eine Meinung stehen lassen können, auch wenn ich sie nicht teile.

Was nützen mir denn Arroganz und Zynismus? Das dient nicht der Diskussion, sondern dem Niedermachen anderer. Haben wir das nötig? Sind wir an Themen interessiert oder am Streiten? Ich frage mich ganz oft, wer sich wohl hinter den arroganten Streitwütigen verbirgt. Ich stelle mir manchmal vor, wie eine Forumsdiskussion wohl aussehen würde, wenn all die teilnehmenden User an einem Tisch sitzen würden und sich nicht hinter ihrem Rechner verstecken könnten. Wenn ihnen die Zeit fehlen würde, sich boshafte und ätzende Antworten auszudenken, um andere zu kränken.

Von Angesicht zu Angesicht.

Argumente, Schlagfertigkeit, Inhalt, Wissen.

Ich denke, dann würde es fairer zugehen. Ich denke, dann würde es effektiver zugehen. Ich denke, zurzeit werden Online-Foren ganz häufig nur noch dazu verwendet, den persönlichen Frust abzubauen.

Eigentlich ist es eine tolle Idee, dass weltweit Menschen in Foren über Dinge diskutieren können, die sie gleichermaßen interessieren. Aber so macht das keinen Spass. Wenn ich in Foren klicke, habe ich meistens nach der ersten Seite schon genug gelesen. Immer wieder die gleiche Scheiße. Wut, Nerverei, Beleidigungen. Ich würde mir wünschen, dass all diese User einmal ihr wirkliches Leben in Ordnung bringen, damit wir in den Foren wieder auf einem gewinnbringenden Niveau diskutieren können. Denn viele unterschiedliche Meinungen sind wichtig. Aber man muss sie auch normal vortragen können, ohne dafür von anderen runter gemacht zu werden.

Zurzeit sind Onlineforen nur die Spuckbecher für unsere Ätzgesellschaft.

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Ein Kommentar zu “Ätzforen – Die Spuckbecher der Nation

  1. JA! Du hast so recht. Ich lese regelmässig 4 Technik-Blogs, in den Kommentaren findet man häufig weitere hilfreiche Ansätze. Leider versteckt zwischen genau den von Dir beschriebenen unsinnigen Kommentaren.

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