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Die Freiheit des Schreibens

Es ist ein herrliches Gefühl, wenn ich an meinem kleinen Sekretär sitze, umgeben von all den schönen Büchern, die ich irgendwann einmal lesen möchte, das Notebook ist aufgeklappt, das leere Dokument vor mir und der Cursor blinkt erwartungsvoll. Dann falte ich die Hände, recke sie gen Himmel und strecke die gesamte Rückenmuskulatur einmal durch. Los geht es!

Arbeit und Vergnügen

Arbeit und Vergnügen

Ich schreibe. Meine Figur geht hier hin und kauft da etwas und erlebt dort etwas Unerwartetes. Sie leidet, sie fällt, sie steht wieder auf und sie geht weiter. Nach einer bestimmten Zeit halte ich inne, um meinen bisher verfassten Text für mich selbst zu genießen. Meistens lese ich ihn mir selber laut vor. Und dann kommen die Zweifel.

Das kann man so nicht schreiben. Das interessiert doch keine Sau. Das sind stümperhafte Formulierungen. Warum hast du kein Talent? Alles ist so starr. Nie passieren die ganz außergewöhnlichen Dinge. Und dann frage ich mich:

Warum bin ich nicht frei?

Ich bin alleine in diesem Raum. Niemand schaut auf mein Dokument. Ich kann auf dem Papier die unfassbarsten Dinge entstehen lassen. Alles ist möglich und es gibt nichts, was es nicht gibt. Mehr Freiheit, als auf einem leeren Dokument, kann ein Mensch nicht bekommen!

Also warum nicht frei sein?

Brainbook

Brainbook

Warum lasse ich es nicht plötzlich Sonnenblumen regnen? Warum können nicht zwei violettgestreifte Tiger mit Papierhüten über die Strandpromenade flanieren? Warum kann meine Figur nicht anderer Leute Gefühle riechen?

Frei sein, das bedeutet harte Arbeit. Wir sind alle so in unsere Normen verstrickt, dass die größte Möglichkeit des Loslassens auf einmal so schwer erscheint. Man träumt von Freiheit, aber nutzt man sie auch, wenn man sie auf dem Silbertablett präsentiert bekommt?

Ich nehme mir jeden Tag aufs Neue vor: Ich schreibe nur für mich selbst! Meine erste Fassung geht nur mich etwas an. Ich will frei sein! Vielleicht werde ich das ja irgendwann einmal verinnerlichen!

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2 Kommentare zu “Die Freiheit des Schreibens

  1. Oh wie gut kenne ich diese Verstrickung in selbst ernannten Pflichten und auferlegten Normen. Ich schaue nach draussen und denke, was man da von mir erwartet. Denke in Grössen wie „das kannst du nicht tun!“ und „ist das wirklich richtig, ergibt das Sinn?“ und blockiere mich damit selber. Dabei gibt es ja nichts mehr, was ich wollte, als einfach frei zu schreiben. Und ich weiss, ich könnte es, dürfte es, hätte die Möglichkeit. Tue es auch ab und an, aber immer wieder im inneren Kampf verstrickt zwischen Wollen, Können, Dürfen.

    Danke für diesen Blog, in dem ich mich dann und wann wieder erkannte. Ich wünsche dir, dass du ab und an aus den Normen ausbrechen kannst, wünsche dir eine Welt mit Sonnenblumen, die vom Himmel regnen und den Tag erhellen.

  2. Liebe cosima73, ganz herzlichen Dank für deinen Kommentar. Selbst im Schreiben dieses Artikels denke ich: Bin ich frei genug, das preiszugeben? Und dann lese ich deinen Kommentar und denke. Ja! Dafür alleine hat es sich schon gelohnt. Zu sehen, dass es mir nicht alleine so geht. Ich gebe alle guten Wünsche auch an dich!

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