Hinterlasse einen Kommentar

Können wir auch locker???

Viel wird heute darüber gesprochen, was es für Unterschiede in der Lebensart zwischen den Deutschen und z.B. Franzosen oder Italienern gibt. Klar, die Mittelmeervölker sind locker, setzen andere Prioritäten, sind unkonventionell.

Wir Deutschen haben viel Angst, klammern uns an unser Hab und Gut und können schwer loslassen.

Aber ist das wirklich so?

Mein Eindruck ist ein anderer. Ich und viele andere, die ich kenne, leben locker. Wir trinken Wein, zelebrieren gutes Essen, können uns herrlich drinnen, wie draußen entspannen, sitzen in Cafés, diskutieren lautstark, aber herzlich und missachten Verkehrsregeln.

Das Gewissen

Der Unterschied zu den Franzosen und den Italienern ist nur, dass wir das alles unter dem schweren Umhang des schlechten Gewissens machen.

Dieses schlechte Gewissen etwas Falsches zu tun.

Dieses schlechte Gewissen, dass man am Ende (Oh mein Gott!!!) richtig Spass am Leben hat!

Dieses schlechte Gewissen, dass die guten deutschen Tugenden verloren gehen!

Dieses schlechte Gewissen, das sich von Generation zu Generation wie eine genetisch bedingte Krankheit weitervererbt.

Dieses schlechte Gewissen: Was sollen nur die Leute denken?!

Soziale Kontrolle

Entstanden aus konservativer Spießbürgerlichkeit und dem Kontrollzwang durch unsere Geschichte. Meine Generation und die nachfolgenden Generationen werden hoffentlich immer mehr locker lassen können und das Leben laufen lassen können. Aber derzeit ist die soziale Kontrolle nach wie vor mächtig.

„Psst! Hast du gesehen, dass der mittags schon ein Glas Wein getrunken hat? Der ist bestimmt Alkoholiker!“

„Sieh mal, die Mutter mit den drei kleinen Kindern geht einfach bei rot über die Ampel. So eine schlechte Mutter!“

„Der Klaus ist immer noch arbeitslos! Als Ingenieur. Der will doch gar nicht arbeiten! Zu faul! Sitzt den ganzen Tag in der Sonne und trinkt Kaffee.“

Das sind alles keine Sätze, die ich mir ausgedacht habe, sondern Dinge, die mir Leute wirklich so sagen. Und da liegt es nahe, dass über mich ähnliche Dinge kolportiert werden. Das, könnte ich mir vorstellen, ist der große Unterschied zwischen Franzosen, Italienern, Spaniern und eben den Deutschen.

Essen ist Kultur und eine Investition wert

Schon die Esskultur in Deutschland verändert sich langsam zum Genuss, zum Erlebnis, kommt aber in gemütlichen Kleinstädten offenbar gar nicht an. Wenn ich zum Mittagessen mit meiner Familie 3 (in Worten: DREI) Gänge bestelle, dann ziehen die Familienoberhäupter die Augenbrauen hoch. Wenn ich dann noch eine Hauptspeise ohne Kartoffeln wähle, kriegt meine Mutter Schnappatmung und wenn ich dann einen draufsetze und nach dem Essen einen Espresso bestelle, dann scharren alle mit den Füßen und klopfen nervös mit den Fingern auf die Tischplatte.

Wir möchten und wir könnten, aber wir sollten nicht wollen.

Will sagen: Wir können die herrliche Lebensart vorzüglich, aber nur unter dem Druck der konservativen Gesellschaft. Wirklich frei ist das nicht.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: