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Journalismus: In Frankfurt zugehört

Am Freitag, den 12. Oktober 2012 kam ich zufällig am Stand des Freistaats Thüringen in Halle 3.1 auf der Buchmesse vorbei. Gerade in dem Moment startete dort eine Diskussion mit der Überschrift

„Krise und Aufbruch: Die Zukunft des Journalismus“

Krise und Aufbruch: Journalismus

Krise und Aufbruch: Journalismus

Beteiligte waren u. a. Jakob Augstein und Uwe Vorkötter. Sie diskutierten, nach meiner Auffassung, eher verhalten ihr Pro und Kontra zum Thema. Der eine meinte, der Journalismus in Deutschland sei nicht krisengeprägt, wünschte sich jedoch mehr investigativen Journalismus. Der andere äußerte sich im Krisenzusammenhang mehr über die finanzielle Seite, das Anzeigengeschäft und die Onlinekonkurrenz.

Man war der Meinung, dass der Journalismus in Deutschland mehr darf, als in vielen anderen Ländern. Es wurde kritisiert, dass in Deutschland immer wieder von Qualitätsjournalismus gesprochen wird, im Gegensatz zu anderen Branchen und das es Verlage finanziell schwer haben, wenn das Anzeigengeschäft dank Facebook, Scout24 etc zum Teil einbricht. Andersherum würden die großen Verlage immer noch so hohe Gehälter an Journalisten zahlen, dass diese selten an kleineren, innovativen Medien interessiert seien, was Hinweis darauf sein sollte, dass es den Verlagen so schlecht nicht geht.

Was kann der Journalismus in Deutschland wirklich?

Diskussionsrunde

Diskussionsrunde

Jetzt bin ich dran, ganz subjektiv, als Leser:

  • Natürlich muss man zwischen „Journalismus“ (apostrophiert) und Qualitätsjournalismus unterscheiden, solange es den Axel Springer Verlag gibt. Das ist doch keine Frage.
  • Wie frei sind unsere Gazetten denn tatsächlich in Sachen Politik und Wirtschaft? Bei vielen Artikeln, die ich lese, entsteht der Eindruck der doppelten Beeinflussung. Der Beeinflussung des Autors von Politikern und Managern, die genaue Vorstellungen haben, was zu schreiben ist und was weggelassen wird. Und die Beeinflussung vom Leser durch den Autor. Bei vielen Artikeln scheint es einzig darum zu gehen, eine Meinung (gerne auch Angst) zu erzeugen und den Leser zu lenken.
  • Verlage sind bei ihren Publikationen vom Anzeigegeschäft abhängig? Und wie frei sind Journalisten dann beim Thema „investigativer Journalismus“, wenn es zum Beispiel über einen großen Anzeigenkunden Negatives zu berichten gibt? Soll ich glauben, dass der deutsche Journalismus hier frei ist? Soll ich glauben, dass bei Politikern wirklich nachgeforscht wird, wenn man als Verleger mit Nachteilen zu rechnen hat? Oder soll ich glauben, dass ich all diese Dinge nur erspüre, sie aber nicht existent sind?
  • Schließlich noch ein Satz von einem Diskussionsteilnehmer, der mich wirklich gestört hat: Den Mainstream-Journalismus gibt es nur, weil der Leser das so will. Wie bitte? Den Mainstream-Journalismus erträgt doch der Leser, weil die Verlage diesen hauptsächlich anbieten! Halten Journalisten und Verleger ihre Leser grundsätzlich für simpel? Steigt nicht unser aller Bildung und Anspruch, wenn wir mehr vom sog. Qualitätsjournalismus angeboten bekommen? Ich habe eher das Gefühl, dass der Leser von vielen Medien bewusst dumm gehalten werden soll, da es fatal wäre, würden wir all die Dinge tatsächlich verstehen, die in Politik und Wirtschaft so passieren.
  • Qualität sollte eigentlich medienunabhängig sein. Wenn ich z.B. das Magazin „Spiegel“ und das Onlineportal „Spiegel Online“ vergleiche, fehlen mir die Worte.
Frankfurter Buchmesse 2012

Frankfurter Buchmesse 2012

Krise und Aufbruch: Die Zukunft des Journalismus

Wie Sie merken, ist das ein sehr komplexes Thema, das ich hier gedanklich nur äußerst rudimentär angerissen habe und über das man herrlich diskutieren kann.

Auffälliger Eindruck dieser Diskussion war, dass Journalist, wie Verleger sich um sich selbst und ihre Welt drehen. Internet, Anzeigenkunden, investigativer Journalismus, Digitalisierung, Qualitätsjournalismus, Blogging. Egal wo, man kann Mainstream, man kann es aber auch besser machen!

Mein Eindruck war, mit dem Leser, dem Konsumenten, um den sich eigentlich alles drehen sollte, hatte das nichts zu tun. Und wo bleibt der Journalismus ohne seine Leser?

Es war für mich eine gute Diskussion, die mich feinsinniger für die Branche und für die Qualität der Medien gemacht hat. Es war anregend und ich freue mich, dass ich zuhören konnte.

 

 

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