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Sind wir wirklich frei, Mädels?

(K)Ein Witz

„Was ist klein, blau und sitzt weinend in der Ecke?“

„Keine Ahnung.“

„Ein Vergewaltigungsopfer.“

Diesen „Witz“ hat vor Kurzem ein Mann einer Freundin von mir erzählt. Haben Sie gelacht?

Einer von den JokoundKlaas-Typen sagte nach der unsittlichen Berührung einer Frau sinngemäß etwas wie: „Die fühlt sich jetzt sicher richtig gedemütigt. Die geht jetzt bestimmt ein paar Stunden lang duschen.“

Ist das komisch? Zeigt das nicht in Gänze die Herablassung, mit der manche Männer Frauen betrachten?

Sicher, hier handelt es sich um ungebildete, komplexbehaftete, männliche Randerscheinungen, das kann und will ich nicht auf alle Männer beziehen.

Aber: Wann fordern wir Frauen endlich mehr Respekt für uns? Wann hören wir Frauen endlich auf, stumm zu lächeln und zu akzeptieren, dass wir nur halb so frei sind, wie Männer?

Ich habe mich vor einiger Zeit mit einer Bekannten übers Joggen unterhalten. Sie fragte mich nach meiner Strecke und ich sagte ihr, dass ich gerne am Fluss entlang laufe. Darauf antwortete sie, dass sie da nie laufe, weil sie Angst hätte. Ihr wären dort zu wenige Fluchtmöglichkeiten (Frauen brauchen FLUCHTmöglichkeiten). Links der Fluss, rechts eingezäunte Grundstücke. Ich fragte dann, wo sie denn laufe und sie sagte mir im Wald. Oh, nein, das traue ich mich nicht. Da ist es immer dunkel und man weiß nie, wer hinter der Hecke sitzt.

Glauben Sie, das ist ein Problem, dass Männer haben? Nein. Männer sind frei im Handeln. Sie gehen zu jeder Zeit an jeden Ort ohne Angst vor einem sexuellen Übergriff.

Ich habe mich in meinem Bekanntenkreis umgehört und war ehrlich erstaunt. Es gibt KEINE Frau, die nicht mindestens eine Geschichte von einer bedrohlichen Situation mit einem Mann berichten kann. Gerne finden diese Situationen abends im Dunkeln statt. Was ist die Konsequenz? Wir gehen nachts selten und wenn, dann in Begleitung raus. Ist das Freiheit? Wie ist das bei Ihnen? Haben Sie auch eine Geschichte zu berichten? Schritte die hartnäckig dicht hinter Ihnen blieben? Dumme Anmache auf dem Nachhauseweg? Pfeifen, obszönes Gestikulieren und eineindeutige Sprüche?

Wie frei sind wir Frauen?

Es ist aber nicht nur die eingeschränkte Bewegungsfreiheit, die wir Frauen offensichtlich wie selbstverständlich hinnehmen.  Männer benutzten ihre körperliche Überlegenheit und kleine, irritierende Hautanhängsel als Machtinstrumente und wir schweigen im Alltag. Warum? Weil es uns größtenteils gar nicht mehr auffällt. Wir haben uns daran gewöhnt, uns einschränken zu lassen. Wir sind immer noch so konditioniert, lieber zu schweigen und zu lächeln, als zu schreien und zu toben. (Denn früher wurden die tobenden Frauen ins Irrenhaus gebracht).

Auch Frauen, die in typische Männerdomänen vorpreschen, wird das Leben schwer gemacht. Es vergeht kein Tag ohne anzügliche Späße, herablassende Sprüche und Einschüchterung. Das weiß ich aus Erfahrung. Nicht zuletzt, weil Männer im tiefsten Inneren wissen, dass wir Frauen wesentlich erfolgreicher und effektiver wären, wenn man uns ganz selbstverständlich ließe, wie wir könnten. Und das ist nicht gewollt.

Es verändert sich etwas. Ganz sanft. Über 5000 Jahre Konditionierung kann man nicht in 50 Jahren wegwischen. Aber Mädels, schaut auf euer Leben! Seht euch euren Alltag an. Seid ihr wirklich frei? Werdet ihr gerecht bezahlt? Ignoriert ihr dumme Sprüche, statt zu kontern?

Achtet auf euch! Das ist ein Anfang.

 

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11 Kommentare zu “Sind wir wirklich frei, Mädels?

  1. Ich traue mich nicht in den Wald. Früher mit grossem Hund war das kein Problem, mit dem Kleinen eher schon. Eigentlich traurig, denn ich bin gerne im Wald, liebe ihn.

    Die anzüglichen Bemerkungen kenne ich auch. Bei bestandenen Prüfungen hiess es süffisant lächelnd: „Hast du den kurzen Rock angezogen und dem Professor schöne Augen gemacht?“ Bei Vorstellungsgesprächen erhielt ich Absagen (sogar von Frauen), ich sei als allein erziehende Mutter nicht gleich leistungsfähig wie ein Mann. Na dann. Prima. Dieses Denken scheint nicht nur bei Männern festzusitzen, wenn es drauf ankommt, sind nicht mal Frauen untereinander solidarisch, gestehen einer Frau Gleiches zu wie einem Mann. Das finde ich dann besonders erschreckend.

    Auf sich achten und sich wehren, das sind wohl die Zauberworte, die mal im Kleinen etwas Gutes tun. Für das Grosse braucht es wohl noch mehr Umdenken in allen Köpfen. Und das ständige Kämpfen, sich Wehren kostet Kraft – die dann an anderen Orten fehlt…

    • Danke für den Kommentar. Deine Erfahrungen decken sich konsequent mit denen von mir und aus meinem Bekanntenkreis. Auch, dass es keinen Konsens unter Frauen gibt, finde ich schwierig. Gerade, wenn Frauen obszöne Anmachsprüche noch als Kompliment empfinden. Wie soll man(n) sich da noch orientieren?
      Ja, es kostet viel Kraft. Das empfinde ich auch so. Und ich habe inzwischen so viel aufgestaute Wut in mir, das nervt. Vor allem, wenn ich sehe, wie viele Frauen die gleiche Hilflosgkeit empfinden.

  2. Da ich der Meinung bin, dass Gleichberechtigung nur gelingt, wenn man sich gegenseitig mitnimmt, möchte ich als Mann zu diesem Artikel ein paar kritische Anmerkungen machen. Zunächst kann ich selbstverständlich die Angst der Frauen, sich an bestimmten Orten aufzuhalten, verstehen. Auch wird Gewalt weitaus häufiger von Männern ausgeübt, so dass mein Einwand, auch als Mann in dunkler Einsamkeit Opfer von Gewalt werden zu können, das Ungleichgewicht nicht aufwiegt. Doch relativiert mein Einwand die Illusion uneingeschränkter Bewegungsfreiheit schon ein wenig. Oder hält hier jemand eine Welt frei von Gewalt und Mord für möglich? Vielleicht könnte man Gewalttaten in der Tat deutlich reduzieren, wenn man die Männer abschafft, wenn man es lakonisch formuliert. Aber ernsthaft stellt sich die Frage, welche Forderung dieser Artikel eigentlich stellt oder welche Rezepte die Vergewaltigunsrate in Mitteleuropa effektiv und wesentlich senken sollten? Sicher ist die Gleichberechtigung noch nicht erreicht, aber so patriarchalisch wie in x-beliebigen anderen Ländern läuft es in Mitteleuropa doch lange nicht mehr, dass man einen direkten Zusammenhang zwischen gesellschaftlichem Frauenbild und Vergewaltigungsrate in unseren Breiten noch als wesentliches Element der Kausalkette heranziehen könnte. Vergewaltigung ist durch nichts zu rechtfertigen und ist streng zu bestrafen, aber die körperliche Gewaltbereitschaft von Männern wird man ohne biologische Eingriffe nie auf das gleiche Niveau von Frauen bringen. Der Illusion, sie wäre allein durch Sozialisation ausmerzbar, kann man nur anhängen, wenn man Biologie und naturwissenschaftliche Tatsachen vollkommen ausblendet. Diktaturen hingen auch dieser Utopie an, das Paradies auf Erden zu installieren. Sind Frauen die besseren Menschen? Vielleicht. Einige Feministinnen sind durchaus dieser Meinung und es finden sich auch ansprechende Argumente. Entgegenhalten könnte man, dass Frauen ebenfalls bösartig sein können, seelisch vielleicht sogar grausamer. Aber ich bin kein Freund von Pauschalisierungen oder Klischees. Vielleicht bin ich jetzt über das Ziel hinausgeschossen, wenn mein Kommentar jetzt die Frage aufwirft, ob Frauen dann die Männer nicht einfach abschaffen, wenn durch Sozialisation allein das Planziel nicht erreicht wird. Doch mir bleibt weiter unklar, was dieser Artikel konkret fordert und welche Maßnahmen dann notwendig sind. Vielleicht kann mir Schriftsteller1 hier noch Antworten geben. Mit sehr freundlichen Grüßen, Der Zeitspiegel.

    • Hallo.
      1. Dieser Artikel richtet sich in erster Linie an Frauen. Dass du Schwierigkeiten hast, dich darin wiederzufinden, mag ich wohl glauben.
      2. Was dieser Artikel fordert? Nichts! Wer bin ich, dass ich Forderungen stellen könnte (außer in meinem persönlichen Umfeld). Er soll zum Nachdenken anregen. Er soll auf Kleinigkeiten aufmerksam machen. Er soll aufzeigen, dass im ganz normalen Alltag viele kleine Schwierigkeiten zu Selbstverständlichkeiten verkommen sind. Hast du über die Witze gelacht? Glaubst du nicht, dass uns Frauen solche Sprüche betroffen machen? Das ist Tagesordnung.
      Du hast nachgedacht und dich mit dem Thema auseinandergesetzt. Ich danke dir dafür!
      3. Ich habe mit keinem Wort erwähnt, dass Frauen die besseren Menschen wäre. Das fänd ich auch sehr vermessen! Das ist mir zu Schwarz-Weiß.
      4. Es gibt keine Lösung! Es gibt nur Lösungsansätze. Jeder sollte bei sich selbst anfangen. Männer UND Frauen. Das sagt der Artikel. Achtsamkeit.
      5. Ich bin nicht der Ansicht, dass FRAUEN die Vergewaltigungsrate senken müssen!!!
      6. Was ich absolut nicht akzeptiere: Den Begriff Männerfeindlichkeit. Es gibt auf der Welt zillionen von Problemen. Das einzige Problem, das diese Welt niemals haben wird, heißt: Männerfeindlichkeit!
      7. Männer abschaffen? Warum? Ich mag ALLE Menschen. Das ist vollkommen gechlechtsunabhängig. Ich denke, wenn wir Frauen mehr auf uns achten und zielorientierter einfordern/aufmerksam machen, könnten wir vielleicht in vielen, vielen Jahren einmal von Gleichberechtigung profitieren. Wie du siehst, ich laste das nicht den Herren an. Ich denke, wir Frauen haben viel zu tun. Und das heißt nicht gegeneinander, sondern Umdenken miteinander.
      8. Dies ist ein Artikel. Wenn ich überhaupt einen Leser haben will, komme ich schwer ohne ein wenig Polemik aus. Die Männer, die Probegelesen haben, hatten damit überhaupt kein Problem. Ich hoffe, du verstehst mich richtig. 😉

  3. Hmm, ja … ja, ich bin frei. ich habe schon immer getan, was ich tun wollte und gelassen, was ich nicht wollte. Ich bin als Teenie nachts lieber mit meinem Hund in den Wald gegangen, als auf Partys; ich habe lieber meiner Phantasie auf einem Blatt Papier freien Lauf gelassen, statt zu versuchen mich zu integrieren, mich zu betrinken und Sachen zu machen, die ich sowieso nicht machen wollte.
    Klar, ich habe immer dumme Sprüche abbekommen, früher, wie auch heute. Ein schüchternes Ding, das alles andere als Selbstbewusst auftritt. Und meistens schalte ich nicht schnell genug, um auf so etwas einen Konter zu finden. Den finde ich erst hinterher, wenn alles gelaufen ist. Mein Pech auch noch, dass mir 16jährige nichtmal abnehmen, dass ich fast doppelt so alt wie sie bin und Mutter.
    ABER: All das habe ich nie darauf bezogen, dass sie das machen, weil ich eine Frau bin. Ich fürchte eher, mein Sohn wird ähnlich darunter leiden, denn er ist mir in seinem Verhalten doch recht ähnlich.

    Vielleicht muss das Umdenken auch an anderer Stelle stattfinden: Nicht alles muss gleich darauf bezogen werden, das man … frau eine Frau ist. Ich bin nicht unsicher, weil ich eine Frau bin. Ich bin einfach unsicher, weil ICH so bin. Dass ich zusätzlich Brüste und eine Gebärmutter habe, tut dabei nichts zur Sache. Die Unsicherheit ist es, die solche Leute anzieht.

    Ich sehe es auch an der besten Freundin meines Sohnes. Ihre Mutter ist übervorsichtig mit ihrer kleinen Tochter. Ob sie das auch bei ihrem wesentlich älteren Sohn war, weiß ich nicht, aber meine Mutter war das nie. Sie wusste, sie kann mir vertrauen. Übervorsichtig will ich als Mutter auch nicht sein, denn ich möchte meinen Kindern auch vertrauen. Ich kann sie darauf vorbereiten, was passieren kann, aber das betrifft meinen Sohn genauso, wie meine Tochter. Ich möchte ihnen kein Klischeedenken einimpfen und keinen Unterschied machen, weil sie verschiedene Geschlechter haben.

    Also, liebe Frauen: Springt doch mal über euer Frau-sein hinweg! Welcher Kerl sitzt denn nachts im Wald und wartet auf eine einsame Frau, damit er sie überfallen kann? Wenn da einer Sitzt, wird er auf IRGENDJEMANDEN warten, um ihn zu überfallen.
    Manchmal hat es einfach nichts damit zu tun, welches Geschlecht man hat, sondern damit, dass man/frau unsicher ist.

    • Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Ich möchte nicht über das „Frau-sein“ hinweg springen, da ich sehr gerne eine Frau bin und ich finde, ich sollte mich ebenso auch frei entfalten können. Dass man als Frau, alleine unterwegs, negative Erfahrungen sammelt, ist ja kein Mythos. Mir ist das passiert, Freundinnen und Bekannten ist das passiert und die Erfahrungen gehen leider auch weit über „dumme Sprüche“ hinaus.
      Ich freue mich, dass du bisher keinerlei dieser Erfahrungen machen musstest und wünsche dir, dass es dir auch zukünftig erspart bleibt.
      Bei mir und vielen anderen Frauen wird die Einschränkung der Bewegungsfreiheit leider bestehen bleiben, weil die Angst eben aus der Erfahrung resultiert. 😦
      Liebe Grüße

      • Nein, ich gebe dir recht, dass es kein Mythos ist, solche Sprüche kommen sicherlich. Vielleicht bin ich auch selbst zu sehr „abgeschottet“, dass ich es einfach nicht wahr nehme oder ich nicht fraulich genug wirke, um mir dauernd dumme Spüche einzufangen – diese Frage kann ich nicht beantworten.
        Ich wollte vorallem betonen, dass frau-sein nicht bedeutet sich einengen zu lassen oder weniger Frau zu sein, als vorher. Aber dazu, sich nicht einengen zu lassen gehört natürlich auch etwas Mut 🙂

        Zumindest hoffe ich für alle Frauen nicht, dass ich ein Sonderfall bin und von solchen Ereignissen bisher verschont geblieben bin, weil ich nicht als Frau wahr genommen werden. Das wäre wirklich traurig.

      • Das “abgeschottet“ klingt ja fast ein bisschen autistisch? Dein Pseudonym legt nahe, dass Du gerne schreibst. Hast Du einen Blog oder bist Du bei Twitter?

      • Danke, dass du dich nochmal gemeldet hast.
        Hast du meinen Artikel „Das ruhige Mädchen“ https://schriftsteller1.wordpress.com/2012/07/15/das-ruhige-madchen/
        gelesen?
        Vielleicht sind wir innerlich gar nicht so weit voneinander entfernt. 🙂

      • Ja, den Artikel hatte ich auch gelesen 🙂 Und ja, ich habe mich darin auch wiedergefunden.
        Schön, dass dich meine Kommentare gerade daran erinnert haben 😉

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