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Es ist so schwer.

Ich habe einen Hund. Das ist ja vielleicht schon bekannt. Und weil ich Hunde so sehr liebe, freue ich mich immer über alle Hundebilder, die im Internet kursieren. Hunde sind toll.

In dieser Jahreszeit habe ich Fotos von Hunden gesehen, die sich im ersten Schnee des Jahres tummeln. Ich habe Bilder gesehen, zu denen Blogger schrieben, dass ihr Hündchen den ersten Schnee im Leben gesehen hat. Das fand ich entzückend. Aber dann… dann legte sich bleischwer eine unendliche Trauer über mich.

Es ist so schwer.

Mein Hund ist alt. Und man kann es drehen und wenden, wie man will, andere Hunde erleben ihren ersten Schnee. Mein Hund erlebt vermutlich den allerletzten Winter seines Lebens. Das macht mich sehr traurig.

Unersetzlich

Unersetzlich

Ich sehe natürlich den Kreislauf des Lebens: ein junger Hund kommt, ein alter Hund wird gehen, aber dennoch kann ich den Egoismus, dass mein Hund ewig leben soll, nicht abschütteln.

Es ist so schwer.

Sie ist 13 Jahre alt. Sie macht das toll. Obwohl jeder Tag immer etwas schwieriger wird, freut sie sich, fordert Liebe und erfüllt ihre Aufgaben so gut es geht.

Aber: Sie wird weniger. Sie wird immer etwas weniger. Und irgendwann wird sie nicht mehr da sein. Wir versuchen das zu verstehen. Es ist so schwer.

Sie

Sie

Ich suche immer nach all den anderen alten Hunden. Wo sind sie? Wo sind die Menschen, die alte Hunde haben, mit denen man sich austauschen kann? Irgendwer sagte mal so lapidar dahin, dass man keine alten Hunde mehr sehe, weil man ja den Komfort des Einschläferns hätte. Generell wird mir zu wenig darüber gesprochen, dass Hunde alt werden. Sie werden blind und taub. Sie werden Herzkrank oder sie können kaum noch laufen (so wie meine Hündin). Egal wo, Sie sehen immer nur junge Hunde oder Hunde im besten Alter.

Es ist so schwer.

Gibt es wirklich keine alten Hunde mehr? Ist meine vierbeinige Oma ganz alleine? Und sind wir Halter alleine mit unserem Kummer?

Wann habe ich denn genug gekuschelt? Wann können wir loslassen? Gibt der Hund uns ein Zeichen? Ich habe so viele Fragen. Es ist so schwer.

Wir sind noch nicht so weit.

Bleib!

Bleib!

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8 Kommentare zu “Es ist so schwer.

  1. Ich habe einen Erstenschneehund. Ja, er ist toll und süss. Und ich hoffe sehr, wir werden viele Jahre zusammen erleben. Auf unserem Morgenspaziergang begegnen wir einem Westie, er ist 13. Er watschelt fröhlich mit seiner Begleiterin, fängt fröhlich Bälle und begrüsst meinen kleinen Wuschelhund immer fröhlich. Der wird ihm aber bald zu wild, so dass er sich wieder seinem Ball zuwendet, es geduldig erträgt, wenn meiner drum rum wuselt. Ich denke oft, der arme Hund, der muss ja genervt sein ob meinem Wirbelwind, möchte ihn immer zurück rufen. Aber Chipsy mag meinen Caruso. Das sieht man bei der Begrüssung. Etwas später auf dem Spaziergang treffen wir auf Moritz. Er ist ein kleiner Schnauzer, 12 Jahre. Er mag nicht mehr spielen, aber auch er freut sich über die Begegnung, das Schwänzlein wedelt heftig, wenn er Caruso sieht. Die Besitzerinnen haben so viel mit ihren Hunden erlebt und ab und an beneide ich sie. Wie schön ist es, eine gemeinsame Geschichte zu haben. Gemeinsame Erlebnisse zu haben.

    Ich liebe Katzen und Hunde. Und ich kenne den Schmerz, den du nur schon in der Erwartung dessen, was einmal kommen wird, beschreibst. Ich hatte einen Kater. (http://denkzeiten.wordpress.com/2012/05/16/pascha-2004-2012/) Nach seinem Tod zerbrach meine Welt völlig. (http://denkzeiten.wordpress.com/2012/07/22/engel-auf-erden/) Ich konnte gar nicht mehr essen, gar nicht mehr schlafen. Doch das Leben ging weiter. Es musste. Ich weine beim Schreiben dieser Zeilen. Er fehlt. Unendlich.

    Schiller zog dann ein bei uns. Er ist der wohl süsseste Kater überhaupt. Kurz nach Schiller zog Caruso ein. Mein Wuschelhund, ich liebe ihn unendlich. Die beiden bringen mir viel Freude. Pascha wird immer fehlen, er hatte einen einmaligen Platz in meinem Leben. Die Tiere nun haben einen anderen. Und auch sie werden irgendwann alt werden. Das ist leider so. Im ersten Moment wollte ich nie mehr Tiere haben. Nur was hätte ich alles nicht erlebt, wäre Pascha nie bei mir gewesen? Wie viel Freude nicht, wären meine beiden kleinen Rabauken nicht zu uns gestossen und hätten auch Linus wieder herausgefordert, der nach Paschas Tod alleine zurück blieb? Wo Freude ist, ist auch Leid. Das gehört wohl beides zum Leben.

    Ich wünsche dir noch ganz viele tollen Momente mit deinem Hund. Er weiss, wie du ihn liebst. Du bist für ihn wichtig. Diese Beziehung ist etwas Wundervolles. Ich schaue mit Dankbarkeit auf meine gemeinsame Zeit mit Pascha zurück. Und freue mich tagtäglich an Schiller, Caruso und Linus. Tiere sind so wertvoll.

    • Und wieder sage ich DANKE zu dir! Ich weine auch. Dein Caruso hat mich inspiriert. Ich liebe alle Fotos von ihm. Freue mich, an seiner Lebensfreude. Und es baut mich auf, zu sehen, dass es junge, kleine, quirrlige lebenshungrige Hunde gibt. Ich brauche diese Bilder. Das klingt sicher komisch, aber wenn man sieht, wie das eigene geliebte Tier sich langsam verabschiedet, machen die jungen Wilden irgendwie Mut. Es ist sicher schwer nachvollziehbar für Menschen, die keine Tiere haben, aber die, bis jetzt, 13 Jahre mit meiner Hündin bringen Mensch und Tier so eng zusammen, das loslassen schwer fällt.

      • Ich versteh dich sehr gut. Nichts zu danken – oder: Danke für deine Zeilen. Sie lösten wieder ein bewusstes Denken all die Tiere aus, die mein Leben begleitet haben und noch begleiten.

  2. Unser Hund ist im April gestorben. Sie war eine kleine Jack Russel Terrier Hündin, die 14 Jahre alt geworden ist und Dixie hieß.. Sie gehörte mir und meinem Bruder, ich war 7, als wir sie bekamen. Sie war ein großer, großer Teil meines Lebens, hat mich durch meine Jugendzeit hindurch begleitet und ich habe sie sehr geliebt…
    Dixie ging es nicht mehr so gut. Uns war klar, dass sie bald gehen muss – sie konnte kaum noch was sehen (ca. 5% Sehkraft auf beiden Augen zusammen), sie hörte kaum noch was und ihre Nieren spielten auch nicht mehr so mit, sie musste sich mehrmals die Woche übergeben…
    es fiel mir so schwer, sie jedesmal wieder zuhause zu lassen, und wieder weg zu fahren, in die große Stadt… Sie wurde überfahren – es fiel mir irgendwie leichter, dass zu akzeptieren, denn mir war klar, dass sie nicht mehr wirklich lange leben würde… Wenn ich daran denke, dass sie nicht mehr da ist, und ich mich nicht mal richtig von ihr verabschieden konnte, muss ich wieder heulen – doch ich habe so viel schöne Zeit mit ihr verbracht, und sie hat mir so viel gegeben…

    meine Eltern wollten eigentlich nicht unbedingt wieder einen Hund, doch es kam anders und wenige Wochen später zog Frieda ein – sie ist ein Rauhaardackel, und ganz anders als Dixie – und ich vergleiche sie unbewusst immer wieder mit ihr, auch wenn das eigentlich gar nicht geht. Sie nimmt auch einen Platz in meinem Herzen ein, doch er ist sehr viel geringer und ganz anderer Art…
    Ich glaube, dass man auf jede Art und Weise irgendwie damit klar kommen muss, egal wie schwer es einem fällt, denn der Tod gehört genauso zum Leben wie alles andere.

    Ich habe in den letzten zwei Jahren so viel verloren, allein durch Tode (natürliche und unnatürliche) habe ich meine Hündin, meine Stute und mein Pony verloren… Am meisten schmerzt es, wenn man nicht da sein kann. Von diesen dreien wurde nur meine Stute eingeschläfert. Es war schrecklich für mich, zu wissen, dass sie nun tot ist – und ich nicht dabei sein konnte, als ihr die Spritze gegeben wurde. So makaber es klingt, aber ich mache mir immer noch Vorwürfe, dass ich nicht da war, dass ich nicht neben ihr stehen und sie streicheln konnte, dass ich ihr nicht sagen konnte, dass es gleich vorbei ist, dass ich einfach nicht für sie DA war, als sie mich so sehr gebraucht hat… Ich glaube nicht, dass diese inneren Vorwürfe je abklingen werden. Und das macht mich noch fertiger, als es der Tod je könnte glaube ich…

    Loslassen fällt immer schwer. Und keiner kann mir erzählen, dass er je ganz losgelassen hat. Denn das können wir Menschen nicht, ein kleiner, versteckter Teil von uns wird nie ganz loslassen…

    Das waren meine etwas verworrenen Gedanken dazu…

  3. Nein, du bist nicht alleine. Ich fühle in großem Maße mir dir.
    Mit der Gewissheit, dass es der letzte Winter sein könnte, leben wir zurzeit auch. Unsere Hündin hat Krebs und ich fürchte den Tag, an dem wir feststellen werden, dass er in die Lunge gestreut hat. Sie ist jetzt elf Jahre alt.
    Uns trifft es sogar doppelt, denn der Hündin meiner Mutter (ebenfalls 13) geht es ebenso.

    Aber ich finde es besser, es zu wissen. Vor nicht ganz zwei Jahren hat es mich sehr hart getroffen, dass meine Hündin innerhalb von zwei Monaten plötzlich nicht mehr laufen konnte und dahinvegetierte. Das kam viel zu schnell! Ich vermisse meine Hündin noch immer, genauso mein Sohn. Sie war dickköpfig, eigen, zickig, aber dabei doch der tollste Familienhund, den ich mir denken konnte. Wir konnten uns nicht richtig verabschieden. Und ich denke mit Tränen an ihren letzten Winter zurück, an dem es ungewöhnlich viel Schnee gab und ich mir ihr durch die Felder gerannt bin. Sie liebte Schnee.
    Bei unserer verbliebenen Hündin können wir uns wenigstens damit anfreunden und die Zeit, die wir sie noch haben, doppelt genießen.

    • Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich weiß es auch zu schätzen, dass wir so die Gelegenheit und die Zeit bekommen, uns auf den Abschied vorzubereiten. Mein Albtraum war immer, dass meine Hündin mal überfahren wird oder einen Unfall hat. Das wäre dann so plötzlich. So sind wir sehr achtsam, nehmen uns viel Zeit für Streicheleinheiten und die Gedanken an ein Ende können reifen.

  4. Achtsam zu sein ist sehr gut! Deine Hündin weiß, dass du sie liebst und ich glaube, sie möchte die Zeit mit dir einfach noch genießen und nicht traurig sein. Ich hatte auch eine alte Hundedame (ein wunderschöner, schwarzer Dackel-Spitz-Mischling), die 13 1/2 Jahre alt geworden ist. Mit ihr bin ich aufgewachsen, sie hat mich durch schwere Zeiten begleitet (den Tod meiner Mutter z.B). Sie war der liebste Hund, den man sich vorstellen konnte. Sie war immer topfit und lieb. Als sie krank wurde (Krebs) hatten wir noch 3 glückliche Jahre, bis der Tierarzt meinte, es könnte jetzt jederzeit zuende gehen und ich sollte sie einschläfern, bevor es passiert, wenn ich auf der Arbeit bin. Nach einer Woche Bedenkzeit habe ich es machen lassen, war bis zum Schluß bei ihr. Das war das Schlimmste, was ich jemals machen musste. Diese Entscheidung zu treffen. DAs ist jetzt über 20 Jahre her und ich muss immer noch schlucken, wenn ich daran denke. Wir haben uns tief geliebt und ich träume immer noch von ihr. Auch Tiere sind für mich Familienmitglieder – und niemals lässt man so ganz los. Ich wünsche euch noch eine wunderschöne Zeit!

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