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Zwiegespräch mit meinem Stresshirn

Ach, die schöne Weihnachtszeit. Wie sehr ich sie liebe. Das ganze Jahr ist für mich nur zur Vorfreude auf die vier Wochen im Dezember, wenn überall die Lichter brennen, es klirrend kalt wird und jeder wieder das Kind in sich erwecken kann.

In meinem Viertel riecht es nach Mandeln und Zuckerwatte. Der Weihnachtsmarkt ist nah. Ich liebe es, durch die Straßen zu wandeln und in die dekorierten Wohnzimmer und Läden zu schauen.

Doch jedes Jahr kommt der Moment, an dem die Hektik einsetzt. Der Moment, wo heimtückisch das Wohlgefühl dem Stress zu weichen droht.

Das kennt wohl jeder, aber bei mir verhält es sich so, dass dieser Stress nicht meiner ist. Es ist der Stress anderer Leute, den ich mir einreden lasse. Die Menschen laufen schneller durch die Straßen, sind mürrischer an den Kassen, fluchen über den Weihnachtskonsum, motzen sich gereizt an. Überall, im Fernsehen, im Radio, im Internet, in den Zeitungen und in den Straßen und Büros wird mir vorgelebt, dass diese die schlimmste Zeit im Jahr sei.

Und so greift mein Gehirn gierig zu. Denken, denken, denken. Immer schneller, immer fordernder, bis ich müde werde, mich auf mein rotes Sofa setze und innerlich laut brülle:

STOPP!!!

Das Gehirn erschreckt sich und schaut mich irritiert an: „Is’n los?“, fragt es.

Ich will Ruhe! Ich will keinen Stress haben.

Das Gehirn zuckt mit den Schultern: „Aber es ist doch Weihnachten.“

Ja, aber ICH habe zu Weihnachten keinen Stress. Die wenigen Geschenke, die ich besorge, kaufe ich online. Meine Wohnung lasse ich putzen. Weihnachtsfeiern meide ich. Zu Essen gibt es Brot, Käse und Wein. Ansonsten gehen wir ins Restaurant. Sollen die doch kochen. Ich habe keinen Stress. Da kann ich doch wohl erwarten, dass du, liebes Gehirn, dich nicht von der Außenwelt infizieren lässt.

Das Gehirn macht einen Schmollmund: „Aber, du musst noch Getränke bestellen, für die Kinder der Nachbarin etwas besorgen, Mails beantworten, einen Blogartikel schreiben, zum Romanschreiben kommst du auch nicht mehr, der Hund muss raus, der Einkaufszettel ist auch noch nicht geschrieben und Job, Job, Job.“

HALT!

Das Gehirn zieht den Kopf ein: „Mein ja nur.“

Nein, so läuft das nicht. Ab jetzt übernimmt das Gefühl das Kommando. Das Wohlgefühl. Tief durchatmen und lächeln. Ich lasse mir keinen Stress vom Gehirn einreden.

Lauft hektisch umher, da draußen, seit gereizt und genervt. Streitet euch und hasst das Fest.

Ich rieche die gebrannten Mandeln und sehe den Schnee.

„Pfffft!“, macht das Gehirn und verdreht die Augen.

Liebes Stresshirn, du hast jetzt Pause. Basta!

Ich wünsche euch von Herzen eine entspannte, genussreiche, feinsinnige, wohlgefühlige, glückliche, geliebte Weihnachtszeit.

 

 

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4 Kommentare zu “Zwiegespräch mit meinem Stresshirn

  1. Schöööööön – ist dieser wundervolle Artikel, den ich gerade durch Zufall gefunden habe. Und nur zu gerne nehme ich den Wunsch an und geben einen ebensolchen wieder zurück! 🙂 Ich würde ihn auch gerne rebloggen, wenn ich darf, weil ich finde, dass noch mehr Menschen so etwas Schönes und Wichtiges lesen sollten.

  2. Reblogged this on connysblog und kommentierte:
    Ich wünsche allen eine frohe Weihnachtszeit – und behaltet diesen tollen Artikel im „Stresshirn“. 🙂

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