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Wandelbares Wesen Alltag

Da ist er nun, der Alltag. Steht mir gegenüber und sieht aus wie immer. Immer noch das graue, flatternde Haar. Immer noch der dunkle, lähmende Umhang. Und immer noch diese nervende Überheblichkeit eines Geschöpfes, das genau weiß, dass ohne ihn ein Leben nicht funktioniert.

Alltag.

Ich bin enttäuscht. Als ich auf dem Leuchtturm der Festtage stand, die Nase in den Wind der weiten Ferne meiner Ideen und deren Umsetzung hielt, da war doch alles klar! Veränderungen sollte es geben. Neue Erfahrungen und mehr Kreativität in meinem Leben. Ich habe das alles mehr oder weniger deutlich am Horizont, da wo das Meer und der wolkige Himmel ihre Linie gemeinsam zeichnen, gesehen. All meine Ideen. Und wo sind sie nun hin? Von der horizontalen Nulllinie verschluckt? Einen Tag wieder aus dem Urlaub zurück und alles scheint wie immer zu sein. Ein Schreibtisch voller Arbeit, die unaufgeräumte Küche, fernsehen am Abend und dunkelgraues Einerlei vor der Tür. Wo ist es denn hin, das ganze Bunte? Das Besondere? Das Andere? Das Neue? All das, was ich in den letzten vier Wochen so eifrig gesponnen, ja, vertragsmäßig sogar auf Papier gebannt hatte?

Alltag.

„Hey, Alltag!“ Ich fasse ihn an die Schulter, als er sich gerade desinteressiert wegdrehen will. „Wir hatten das doch besprochen! Du wolltest dich ändern. Was ist denn nun?“

Der Alltag lässt sich träge in den Bürostuhl sinken und faltet in spröder Gelassenheit die Hände im Schoß.

„Um das mal klarzustellen: DU hattest das geklärt. Du willst einen anderen, neuen Alltag. Nicht ich. Ich bin kein wandelbares Wesen. Ich bleibe, wie ich bin. Es läuft doch alles. Und du brauchst mich doch.“

„Aber die Veränderungen, die kommen sollten?“

„Das sagte ich doch. DU musst ändern. Nicht ich. Ich bin Alltag. Ich sitze hier nur und mache, was du mir vorgibst. Wenn du einen Wandel willst, dann musst du mich wandeln. Ich kann dir nicht helfen.“

Alltag.

Und da begreife ich. Es reicht nicht, Listen zu entwerfen, Pläne zu schmieden und Ideen zu haben. Wenn ich nicht aufstehe und loslege, wird der Alltag bleiben, wie er ist. Monoton, langweilig und konform. Wandel ist anstrengend. Wandel kostet Kraft. Aber ich glaube, es lohnt sich.

Und ich färbe dem Alltag jetzt als Erstes seine grauen Haare bunt!

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