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Palim Palim

Palim palim machte es an der Tür, als ich den kleinen, üppig grünen Blumenladen betrat. Advent. Das war eine schöne Zeit. Da wollte auch ich es mir richtig gemütlich machen, in meinen vier Wänden. Nach ein wenig geduldigem kramen in den Kellerkisten fand ich, wonach ich suchte: Ein ovales Metallgestell, an dem man 4 dicke Kerzen anbringen konnte, eine dekorative goldene Kugel und so Dies und Das an Gedöns (rote Schleifchen, Tannenzweige, kleine Äste usw.).

Ich bin kein Bastler. In all diesen Belangen war ich von Kindesbeinen an Grobmotoriker. Geben Sie mir bitte keine Heißkleberpistole in die Hand. Das könnte gefährlich werden. Was nun also tun, mit all dem Kleinkram in der Adventszeit? Mir kam die bahnbrechende Idee, den hiesigen Blumenladen in meiner Straße aufzusuchen. Ich wusste von Bekannten, dass Blumenläden wohl durchaus die Dekoration nach Auftrag übernehmen. Alles eine Frage des Preises. Also hurtig die Utensilien in eine kleidsame Plastiktüte verstaut und hin zum Floristen meines Vertrauens.

In dem Geschäft waren an die drei Kundinnen mit Staunen und Loben, ob der schönen Dinge dort, beschäftigt, so dass ich gleich zur adipösen Chefin (die zu dem gefühlte 3 m größer war als ich) an den Tresen vorrückte. Dort zauberte ich lautstark aus meiner Tüte das Gestell und das Gedöns und fragte zart an, ob sie, als Fachfrau, mir hier etwas Feines dekorieren könnte. Mit Tanne oder so?

Die Reaktion war nicht wie erwartet. Sie blickte zuerst auf meine Habseligkeiten, dann hilfesuchend auf die anderen Kundinnen.

„Nein.“, sagte sie.

Ich war verdutzt und schaute sie direkt an. Sicher der Lärm von der Straße oder Ähnliches. Hatte sie „Nein!“ gesagt?

„Da kann ich Ihnen gar nicht helfen. So etwas machen wir nicht.“

Wieder blickte sie, nun nicht mehr hilfesuchend, sondern beinahe mitleidig, zu den anderen Kundinnen, die ihrerseits verständnisvoll lächelten. Was war hier los? Ich fragte direkt nach, warum sie mir nicht helfen wolle.

Stil für Stiel

Stil für Stiel

Mit spitzen Fingern, so als hätte sie Angst, sich mit einer schlimmen Krankheit zu infizieren, sortierte sie meine kleinen Äste und Tannenzweige und sagte dann mit gerümpfter Nase und unter großem Seufzen: „Tja, wie soll ich Ihnen das sagen, ohne Ihnen zu nahe zu treten…?“

Verständnisvolles Nicken für die adipöse Blumenchefin und anklagende Blicke an mich von den anderen Kundinnen. Ratlosigkeit bei mir.

„So etwas ist nicht mein Stil. So etwas würde ich mir nie hinstellen. Damit kann ich gar nichts machen. Wenn Sie mich beauftragen würden…“ Wieder wühlte sie angeekelt in meinem Adventsschmuck. „Ich würde das alles eher entsorgen und… Nein, ich kann Ihnen da nicht helfen. Nehmen Sie mal Ihre Sachen wieder mit und gehen Sie woanders hin.“

Sie unterdrückte ein obszönes Lächeln und verdrehte die Augen in Richtung ihrer „stilvolleren“ Kunden. Ich aber packte gedemütigt meine Sachen zusammen und ging. Ohne ein Wort. Schade.

Draußen, auf der Straße fielen mir hunderte, passende Antworten ein, für eine Frau, die sich dermaßen über andere Menschen erheben muss und die offensichtlich kein Problem damit hat, potenzielle Kunden öffentlich bloßzustellen. Thema verbale Schlagfertigkeit: Schriftsteller1, 6! Setzen!

Ich habe mir mein Gesteck dann doch selber gebastelt und es ist wahrhaftig gut gelungen. Selbstverständlich mache ich ohne Umschweife Negativwerbung für die Flowertowertussi im Blumenhäuschen, so viel Arroganz muss sie sich erstmal leisten können! Aber der fade Beigeschmack bleibt.

Was hättet ihr der Päpstin des Stils und des guten Geschmacks geantwortet? Ganz spontan? Bin gespannt.

Die Sprache der Blumen

Die Sprache der Blumen

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