2 Kommentare

Kleider machen Leute. Machen Kleider Leute?

Ist das so? Oder deutet der Spruch eher auf tief verankerte Vorurteile hin?

Ich bin eine Person, die sich nur sehr mäßig für Kleidung interessiert. Mein Alltag sieht so aus, dass ich morgens nach dem Aufstehen nach der am Vortag achtlos auf den Sessel geworfenen Kleidung greife, prüfe, ob diese müffelt oder gar fleckig ist und dann entscheide: die noch mal oder Neues aus dem Schrank. Hauptkriterium bei meiner Kleiderwahl ist stets: bequem muss es sein.

Schlampig?

Fakt ist auch: ich werde niemals eine von den stets total akkurat gekleideten Frauen sein, wo die Blusen immer faltenfrei gebügelt sind, die Shirts blitzweiß und die Hosen oder Röcke sitzen wie maßgeschneidert. Meine Schuhe sind häufig nicht geputzt, am Schal hängt noch Make-Up und über ein kleines Löchlein im Textil sehe ich auch schon mal großzügig hinweg. Es fehlt mir wahrlich nicht an den finanziellen Mitteln für teure und akkurate Kleidung, aber meine Lebenszeit erscheint mir einfach zu kurz, um mir lange über Kleidung und Aussehen Gedanken zu machen, wenn ich doch in der Zeit Kaffee trinken, lesen,  schreiben oder schlafen kann.

Diese Haltung wiederum führt mich ein ums andere Mal zu Problemen. Nämlich immer dann, wenn mir von Außen oben genannter Satz zugetragen wird bzw. er irgendwie in der Luft hängt.

5-Sterne-Service

Da ich das gute Leben liebe, bringe ich mein sauer verdientes Geld sehr gerne unter Leute. Allerdings nicht in Form von teuren und schicken Klamotten, sondern auf diversen Reisen, in hippen Restaurants, Theater, Opern und Bars (gerne auch alles auf einmal). Mein größtes Hobby sind Wochenendtrips in 5-Sterne-Hotels. Ich habe einfach gerne maximalen Komfort. Der Gatte und ich haben es uns nun zu unserer ganz privaten Aufgabe gemacht, Hotels mit hohem Standard zu testen: nach ihrer Philosophie. Ich kann es nämlich ganz und gar nicht akzeptieren, wenn Hotels ihre tollen Dienstleistungen anpreisen, aber die Näschen rümpfen, wenn man keine Labels am Körper trägt (und das ist mir leider schon häufig passiert).

Es gibt Hotels bzw. Hotelangestellte, die sich tatsächlich anmaßen, beurteilen zu können, welcher Mensch sich hinter welcher Kleidung verbirgt. Frei nach dem Motto: „Was für olle Kleidung, da steckt nicht viel Trinkgeld dahinter.“ Das ist natürlich unfassbar peinlich, da man so etwas als Gast spürt und sich dann sagt: „Tja, wenn du nicht willst, dann eben nicht.“

Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch Hotels, die ihre Philosophie im Sinne des „Der Gast soll sich wohlfühlen“ verinnerlicht haben. Die jeden MENSCHEN hofieren, ganz frei von Vorurteilen und anderen merkwürdigen Haltungen. Diese Hotels gilt es für mich als Gast zu adeln und hervorzuheben.

Fazit

Für mich hat der Spruch „Kleider machen Leute“ somit kein Bestand, denn er sagt zur Gänze gar nichts über den finanziellen, intellektuellen oder sonst welchen Stand eines Menschen aus. Es gibt zur Genüge Menschen, die toll aussehen, sich von Kopf bis Fuß in Labels kleiden und bei denen alles nur Schein statt Sein ist. Um sich ein Urteil bilden zu können, müssen Sie sich schon die Mühe machen und einen Menschen kennenlernen.

 

Advertisements

2 Kommentare zu “Kleider machen Leute. Machen Kleider Leute?

  1. Das erinnert mich an eine Geschichte, die mir meine Mutter erzählt hat: Eine Freunden, toughe Akademikerin, sollte irgendwo einen Vortrag halten. Da aber schönes Wetter war, hat sie sich angemaßt mir dem Motorat dahinzufahren, mit dem Ansinnen, sich dort in einem Geschäft schnell was passendes für den Vortrag zuzulegen.
    Kurz gesagt: Die Verkäuferin versuchte sie aus dem Geschäft zu zittieren, da sie der Meinung war, sie könne sich die Kleidung sowieso nicht leisten. Nun ist besagte Freundin aber niemand, die ein Blatt vor den Mund nimmt. Sie hat die Verkäuferin wohl ganz schön zurechtgewiesen und sie auf der Suche nach passender Kleidung herumgescheucht 😉

    • Das ist eine sehr passende Geschichte für das, was ich meine. Kleider machen eben nicht Leute! Für die Verkäuferin wäre es ein Vorteil gewesen, jeden Kunden gleich zuvorkommend zu behandeln. Vielleicht hat sie es nun verstanden. Danke für den Beitrag!

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: