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Eine Phobie ist eine Phobie ist eine Phobie

Aus meinem „Lexikon der Medizin“ von Hexal: „Phobie: Angstzustand ohne vernunftmäßig einsehbaren Auslöser (evtl. als zwanghafte Übersteigerung alltäglicher natürlicher Ängste). Das Gefühl diffus oder – als Furcht – mehr objektbegrenzt (z.B. Akarophobie als Insektenangst)“

Quelle Wikipedia – Angststörung: […] Allen Angststörungen ist gemeinsam, dass die Betroffenen übermäßig starke Ängste haben vor Dingen, vor denen Menschen ohne Angststörung keine oder in weit geringerem Maß Angst oder Furcht empfinden. Dabei erkennen die betroffenen Personen eventuell zeitweise, dass ihre Angst übermäßig oder unbegründet ist.“

Die warme Jahreszeit

Baum

Endlich Frühling. Endlich wird es warm, die Blümchen blühen, die Wölkchen ziehen, die Blüten duften herrlich. Draußen sein, atmen, genießen. Doch am fernen Horizont ziehen dunkle Gewitterwolken auf. Der Sommer naht. Der Sommer bringt die Hitze, das Überspitzte, das Aggressive, das Übertriebene. 30 bis 35 Grad in der Stadt, der Straßenlärm wirkt lauter und demonstrativer als je zuvor. Die Menschen schwitzen, fluchen, haben Kreislauf. Der Himmel nur noch eine helle, diffuse Fläche. Und doch höre ich es dann wieder von allen Seiten: „Lass uns raus gehen!“ „Lass uns draußen essen!“ „Lass uns draußen das Leben verbringen!“

Ja, ich gebe es zu. Ich bin kein ausgewiesener Sommerfan. Ich bin auch nicht zu begeistern, bei übersteigerter Hitze meine Zeit im Draußen zu verbringen, wenn es im Drinnen abgedunkelte Räume, Klimaanlagen und so weiter und sofort gibt. Was mich aber noch viel mehr beschäftigt:

Ich habe eine Wespenphobie.

Das ist nicht schön, aber erstmal nur ein Statement. Meine Phobie und ich könnten es sich den Sommer lang gemütlich machen und haben nicht zu viele Berührungspunkte miteinander, wenn da nicht das sonst so geliebte soziale Umfeld wäre. Für jemanden, der Angst vor stechenden Insekten, gern auch in gelb-schwarz gestreiften Kostümchen hat, bedeutet jeder Satz, der „lass uns“ und „DRAUßEN“ beinhaltet, eine unglaubliche Herausforderung. Vor allem dann, wenn man sich einmal darauf eingelassen hat.

Blume

Phobien stellen einen erstmal als geschwächt in der Gesellschaft dar. Und wenn ich sage, ich könne nicht raus, weil ich Angst habe, hagelt es zumeist jovial aufmunternde Sprüche wie: „Ach, das geht schon.“, „Ich hab noch gar keine Wespen gesehen.“ oder „Wenns gar nicht geht, gehen wir eben rein.“ Das ist vermeintlich lieb gemeint, entpuppt sich aber häufig als Falle, denn wenn man sich als Phobiker eingelassen hat und dann die Situation brenzlig wird, ist es oft nicht weit her mit dem Verständnis. Sätze wie: „Die tun doch gar nichts.“ „Da musst du doch nur ganz ruhig bleiben.“ lassen in meinem Kopf unwillkürlich eine Comicfigur ununterbrochen mit dem Kopf auf eine Tischplatte donnern, bis eine Kerbe entstanden ist.

Eine Phobie ist eine Phobie ist eine Phobie

Phobien sind nicht rational. Wer bereits mit Phobien zu tun hatte, weiß, dass einem in ruhigen Momenten vollkommen klar ist, was „normal“ wäre. Das ist in einer panischen Situation aber nicht abrufbar. Es hilft nicht nur nicht, wenn man mir angeblich logische Sätze sagt, im Gegenteil, es provoziert mich. Es zeigt mir, dass nicht verstanden wurde, was mich beschäftigt. Es gibt so viele Ängste. Ich begegne ab und zu z.B. Menschen, die panische Angst vor meinem Hund haben. Ich würde denen niemals sagen: „Pffft, der tut doch nix, der will nur spielen.“ Das wäre impertinent! Ich würde niemals lapidar über Menschen spotten, die sich überdimensional vor Spinnen, vorm Fliegen, vor Enge oder vor Menschen fürchten. Denn diese Sorgen lassen sich nicht so einfach lösen.

Weg

Weg

Ich mag den Sommer nicht. So ist das eben. Also bleibe ich lieber drinnen. Wegen der Hitze und bis ich mir, ganz für mich allein, überlegt habe, ob und wann ich mein Problem löse.

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