Ein Kommentar

Gedankentreiben 2

Stadt, Land, Wahrnehmung, Realität, Balkon

Seit einiger Zeit quält mich eine Schreibblockade. In allen Belangen. Ich denke in jeder Situation „du musst mal wieder etwas schreiben.“ Aber es will sich nicht fügen. Egal, ob bei Twitter, in meinem Blog, mein wundervolles Romanprojekt oder eine inspirierende Kurzgeschichte. Mein Kopf gaukelt mir kollektives Versagen vor. Versagen in Nuancen wie Unlust, Müdigkeit, andere, wichtigere Aufgaben, Ideenlosigkeit.

(Die Zitronenmelisse und die Vanillepflanze auf meinem Balkon haben nie schöner geduftet. Aber der Lärm der Straße sabotiert die Gedanken gleichermaßen.)

Duft

Duft

Der Gatte sagte neulich zu mir, dass die Straße zu laut wäre und er deshalb nicht auf dem Balkon lesen könne. Ich empfinde das nicht so. Wenn ich meine Zeit auf meinem grünen Balkon verbringe, dann ist der Straßenlärm für mich etwas Gleichförmiges, wie Meeresrauschen. Nur eben eine andere Tonlage. Ein anderer Rhythmus.

Ich wollte immer in der Stadt wohnen. Ich hatte vor einiger Zeit eine Eskapade auf dem Dorf. Für etwa 2 Jahre. Das fand ich furchtbar. Und diese Stille. Diese Stille war nicht zum Aushalten. Vor allem nachts. Nichts. Kein Ton. Unheimlich.

grün arbeiten

grün arbeiten

Hier, in der Stadt, gibt es immer einen Ton. Vorbeifahrender Verkehr, ein weinendes Kind, entferntes Martinshorn, eine Frau, die Opernarien im Hinterhof singt oder mein innig geliebter Saxophonspieler, der jede Woche vor meinem Haus spielt, wenn Wochenmarkt ist. Wie kann man das alles nicht lieben?

Wir haben neulich fantasiert, wie der Platz, an dem ich lebe im allerschönsten Idealfall aussehen könnte. Dem Gatten fiel dazu erstmal nicht viel ein. Es ist ja, wie es ist. Pragmatisch. Ich würde, wenn ich könnte, sofort Baumaßnahmen einleiten. Die Straße um den Platz herum würde Fußgängerzone werden. In jedem Haus müsste (wenn es sein muss, per Gesetz erzwungen!) im Parterre ein Café, ein Bistro, ein Restaurant, eine Bar oder Ähnliches hinein. Alle müssten Außenbestuhlung haben.

Und ich? Ich würde von Tag zu Tag entscheiden. Entweder ich stürze mich ins Stimmengewirr um teilzunehmen. Um Innen zu sein. Oder ich würde auf meinem Balkon sitzen. Beobachten. Lauschen. Der süße Duft der Lebensenergie. Den vielen Menschen in den Cafés und Bars die Lebensfreude anmerken und sie aufsaugen.

Aber so ist es hier eben einfach nur laut und lebendig. Ohne Cafés.

Balkoncharme

Balkoncharme

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Ein Kommentar zu “Gedankentreiben 2

  1. Leider schließen immer mehr Läden im Erdgeschoss.

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