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Falschparker

Als ich heute Morgen mit dem Hund um den beschaulichen Platz ging, an dem ich lebe, wurde ich Zeuge, wie eine wirklich aufgeschlossene und freundliche Politesse ein Gespräch mit einem Autofahrer führte. Sie war gerade dabei, ihm ein Knöllchen wegen Falschparkens auszustellen, da er im absoluten Halteverbot stand. Er bat aufrichtig um Entschuldigung und wollte sein Fahrzeug sofort entfernen. Sie lächelte warmherzig und zerriss das Ticket. „Da haben Sie wirklich Glück gehabt!“, meinte sie noch. „Das wäre richtig teuer geworden. Es war eine Anwohnerbeschwerde.“

Ich ließ meinen Blick über die harmonischen, hellen Jugendstilhäuser meines Platzes wandern und dachte: ‚Wer denunziert hier Falschparker?’ Das ist etwas, was mich mit sehr gemischten Gefühlen zurück lässt. Wut, Trauer, Ohnmacht. Eine Welle von Vorurteilen rauschte durch meinen Kopf:

Vermutlich ein älterer Herr, Bierbauch, Haare seitlich über die Stirnglatze gekämmt. Auf dem Weg zum Kiosk, um sich die BILD zu holen, zückt er hastig den kleinen Notizblock und einen feinfühlig angespitzten Bleistift, die er immer bei sich trägt, aus der Tasche. Nun notiert er akribisch jedes Fahrzeug, dass in einem vermeintlich illegalen Bereich abgestellt wurde. Wieder zurück mit BILD und Notizblock, wählt er die Nummer Polizei und gibt seine Beute durch. Nun setzt er sich mit einem, von Mutti bereiteten, Kaffee an das Fenster und freut sich über das Politessenspektakel, dass er veranlasst hat. Macht! Irgendjemand in diesem Land muss ja für Zucht und Ordnung sorgen. Ist ja alles so verkommen. Früher, ja früher, war alles besser.

Falschparker

Falschparker

Natürlich ist hier wieder meine Fantasie mit mir durchgegangen. Ich habe keine Ahnung, wer den Falschparker denunzierte. Ich selber habe kein Auto, so dass mir das eigentlich egal sein könnte. Aber, ich habe ein ausgeprägtes Solidaritätsgefühl. In meinem Viertel gibt es einen großen Mangel an Parkplätzen. Der Gatte, meine Nachbarn hier im Haus und viele andere Menschen haben täglich das Problem, keinen legalen Parkplatz zu finden. Es gibt hier viele Möglichkeiten zu parken, die nicht legal sind und die niemanden stören (sollten). Sie versperren keine Geh- oder Radwege, sie verstellen keine Zufahrten für Feuerwehr oder Rettungswagen, kurz, es entsteht kein wirkliches Problem, wenn dort Autofahrer halten (außer, dass dort eine Verbotsschild steht).

Ich empfinde aufrichtige Solidarität mit den Menschen, die abends stundenlang erfolglos durch das Viertel kurven. Die müde und kaputt sind und nur nach Hause wollen. Die lediglich für eine kurze Nacht einen Parkplatz beanspruchen, der keiner ist. Und, meine Güte, lasst sie doch dort parken, wo es keinen stört, damit diese Menschen endlich Feierabend machen können und zu ihren Familien gehen können. Wie kann man denn so missgünstig sein und dann die Polizei rufen, um auf einen Gesetzesverstoß hinzuweisen?

Wie einsam und traurig sind solche Menschen, die das tun? Statt einfach mal zu sagen, dass man Verständnis hat oder sich schlicht um seine eigenen Angelegenheiten kümmert. Leider sind mir solche traurigen Menschen schon persönlich begegnet. Menschen, deren Hobby es geworden ist, andere zu denunzieren, statt sich menschlich zu verhalten. Nur um einen kleinen Augenblick der Genugtuung zu empfinden. Ich finde das traurig und abstoßend!

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