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No restaurant for old (wo)men

Ich weiß gar nicht, ob es der Hunger oder die Sehnsucht war, die mich so kräftig in die Pedale treten ließ, um möglichst schnell den Gatten in der Stadt zu treffen, auf einen Happen in einem neuen Restaurant. Es war ehemals eines unserer bevorzugten Cafés, bis eine neue Gastronomie dort einzog. Wir kamen quasi zeitgleich an, fielen uns theatralisch um den Hals und betraten das neue Etablissement. Es war so neu, dass ich mein altes Café vergeblich in den Wänden, den Böden oder der Raumaufteilung wiederzufinden versuchte. Schade.

Wir setzten uns und nahmen die kleinen Pappkärtchen zur Hand, die auf dem Tisch herumlagen. Bei schummriger Beleuchtung stellte ich fest, dass das Kleingedruckte keine Speisekarte war, sondern ein Text zum Restaurant. Wer sind wir? Was machen wir?

Sandwiches, Salads, Soups, Currys and Wok

„Oooooh!“, entfuhr es mir, „We are very amerikanisch.“ Der Gatte-Erklärbär erklärte mir dann, dass wir zum Bestellen nach vorne, an den Tresen müssten. Hmpf! Wie ungemütlich. Also standen wir wieder auf  und gingen an den Tresen. Da vor uns Gäste bestellten, nutzte ich die Wartezeit, um die gigantischen, grell beleuchteten Bestelltafeln an der Wand zu studieren.

Salads, Woks, Currys and Soups!

Wenn man in einem nicht mehr ganz so taufrischen Alter ist, wie ich, fangen hier die Probleme an: „Kann ich ohne Brille nicht lesen!“, zischelte ich dem Gatten mit vorgehaltener Hand zu. Er drehte sich lässig lächelnd zum Gastraum um: „Ich auch nicht.“ Keine große Hilfe. Dann entdeckte ich neben der gigantischen Speisetafel eine Texttafel. In  sauber strukturierten Aufzählungen wurde exakt erläutert, wie in dieser Lokalität das Bestellen funktionierte. „Früher war ja mehr so Speisekarte lesen, bestellen, essen. Heute braucht man dafür `ne Gebrauchsanweisung.“, kicherte ich zum Gatten und fühlte mich plötzlich sehr alt. Einen Satz mit ‚Früher war…’ zu beginnen und dann ohne Brille nichts lesen zu können. Not my restaurant!

Green Curry Thai Chicken oder das Green Thai Curry Beef

Eine unfassbar schöne, blutjunge Blondine wandte mir ihr Million-Dollar-Smile zu und fragte nach meiner Bestellung.

„Äh.“, stotterte ich. „Gerne so etwas aus dem Wok, aber ich finde auf der Karte nur Currys. Habe ich da etwas übersehen?“

„Wir haben aus dem Wok das Green Curry Thai Chicken oder das Green Thai Curry Beef!“ strahlte sie mich an.

„Also, Green Curry ist mir, glaub ich, zu scharf.“

„Neeeeee!!!!“, lachte sie und ohne, dass ich etwas dagegen tun konnte, schob sie mir einen kleinen, weißen Plastiklöffel mit einer spermaartigen Flüssigkeit in den Mund.

„Na???“, strahlte sie fragend.

Ich machte dicke Backen und schluckte hart. „Super!“, nuschelte ich. „Gibt’s auch etwas Vegetarisches aus dem Wok?“

„Na klar!!!“, brüllte sie begeistert. „Da mache ich dir Happy veggie!!!!“

„Ja. Happy. Veggie. Genau. Das. Nehme. Ich.“

„Side salad?“

Irritiert blickte ich zum Gatten. Der nickte beruhigend und stellte mir geistesgegenwärtig zwei Piccolöchen aus dem Getränkekühlschrank auf mein kleines Plastiktablett.

Ich war erleichtert, als ich endlich mit meiner Bestellung fertig war. Der Gatte auch, da er ja nun genau wusste, wie der Laden funktionierte und routiniert seine Bestellung herunterspulte, als wäre er hier lange Stammgast. Wir bezahlten und setzten uns an unseren Tisch. Keine fünf Minuten später brachte Barbie unser Essen, das okay war.

Fazit

Aber ganz ehrlich: Jeder hat seine eigene Idee, wenn es ums Essengehen geht. Essengehen ist mein Hobby! Ich betrachte es als Kultur. Und für mich gehören dazu Tischdecken, Kerzen auf dem Tisch, eine schöne Speisekarte und jemand freundliches vom Servicepersonal, der die Bestellung am Tisch entgegennimmt, berät und eventuelle Sonderwünsche mit der Küche bespricht. Very special green thai Systemgastronomie ist vielleicht eher etwas für die schnelle Mittagspause.

 

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