Ein Kommentar

Gerda Teil 1

6 Tage bis Gerda…

Als unser Bommel-Mäuschen am 25. Oktober 2013 im hohen Alter von 14 Jahren verstarb, brach mir und dem Gatten das Herz. Wir vermochten uns nicht auszurechnen, ab wann der Schmerz weniger, ja gar ganz nachlassen würde. Noch heute brennt an dunklen Tagen ihre Kerze bei uns im Flur.

Doch das Leben geht weiter und bringt mit seinen wellenförmigen Aufs und Abs Erfahrungen, Abstände, neue Sichten. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber wenn der Gatte abends heim kam, wenn ich ihn still bei der Arbeit beobachtete oder wenn er mit mir im Urlaub spazieren ging, da war stets so ein Gefühl. Ein undefinierbares Gefühl. Verstanden habe ich es ruckartig, als ich das Buch von Sean Ellis „Kubrick The Dog“ gelesen habe, das mich zu Tränen rührte. Selten habe ich eine Verbindung Mensch-Hund so wortlos und so emotional transportiert gesehen, wie in diesem Buch. Und schlagartig war mir klar, was dieses undefinierbare Gefühl dem Gatten gegenüber sagen wollte: Seit ich den Gatten kenne, kenne ich ihn nur mit Hund an seiner Seite. Es war immer ein vierbeiniger Schatten neben ihm, hinter ihm. Ruhig, melancholisch, begleitend. Egal wo. Immer da. Nie mich ersetzend oder vertreibend, sondern mit da. Es war, als fehlte da etwas an Gattens Seite, das ihn komplettiert. Ich war diejenige, die gesagt hat: die nächsten Jahre keinen Hund mehr, doch nun wusste ich, wir mussten den Gatten wieder komplett machen.

Wir wollten gerne einen Hund aus dem Tierschutz. Einem Tier helfen, dem es schlecht geht und dem wir ein neues, schönes Zuhause bieten können. So ein Hund muss in unser Leben passen. Wir leben in der Stadt, sind selbständig, viel unterwegs in Hotels, Restaurants, in der Firma, im Auto usw. Wenn ein Hund die Abwechslung liebt und nicht viel Angst hat, wird er von uns viel bekommen, denn unsere Freizeit besteht aus Strandwochenenden (sind auch ohne Hund ständig am Hundestrand), Bergwandern, Fahrradfahren usw.

Gerda

Nach wirklich kurzer Recherche im Internet auf Seiten des Tierschutzes fand ich sie: Gerda, ca. 2 Jahre alt, Mischling aus Spanien, die Menschen liebt und sehr neugierig ist. Nach Ansicht der Fotos sah ich sofort, dass der Gatte verliebt war. Also stiegen wir ein paar Tage später ins Auto.
„Wie bescheuert sind wir, dass wir an einem Arbeitstag einfach so in ein Auto steigen und 400 km hin, 400 km zurück fahren, nur um einen Hund anzusehen?“ fragte ich. Der Gatte grinste nur und gab Gas.

Als wir 5 Stunden später im tiefsten Erzgebirge ankamen, sprang Gerda uns im Garten entgegen, warf sich gleich auf den Boden und schmuste mit uns, als würde sie uns Jahre kennen. Wir verbrachten 2 Stunden mit ihr am Tisch, im Garten, im Wald. Schmusten, streichelten, lachten, übten, als wäre Gerda das Wasser und wir am verdursten. Als wir wieder im Auto saßen und heim fuhren, redeten wir kaum, aber wir lächelten… ununterbrochen. Verliebt in Gerda!

Da ich leider eine Neigung zu Tierallergien habe, vereinbarten wir ein weiteres Treffen. Ich wollte mit Gerda in ein Hotel, die Nacht mit ihr verbringen und intensiv Allergien testen am lebenden Objekt. Also wieder die weite Fahrt ins Erzgebirge und weitere intensive 24 Stunden mit Gerda. Sie vertraute uns sofort. Schlief ruhig mit uns im Zimmer, ging überall ohne Leine mit uns und schien das Experiment sehr spannend zu finden. Keine allergischen Vorkommnisse.

Dennoch ließen wir uns noch ein paar Tage des Nachdenkens. Will ich das wirklich wieder? Die letzten 2 Jahre mit Bommel waren so hart. Sie taten so weh! Will ich mich wieder mindestens 10 Jahre binden, erziehen, Menschen erklären, Hundkot aufsammeln, Hotels und Ferienwohnungen suchen, die Tiere mögen? Unser üblicher Hundesitter ist vorfreudig und macht  mit, so dass wir auch mal Urlaube, Buchmessen etc. ohne Gerda verbringen könnten. Aber bin ich schon wieder bereit?

Das Bauchgefühl hat entschieden. Gerda kommt. Gerda kommt am Dienstag, 19.8.2014 zu uns.
Wir shoppen und lesen und shoppen und lesen. Was man halt so macht, um sich auf Familienzuwachs vorzubereiten. Und der Gatte? Nun, der Gatte fängt an wieder ein vollständiger Mensch zu werden.

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