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Gerda Teil 2 – Jetzt rede ich!

Die Ankunft eines neuen Familienmitglieds im zukünftigen Zuhause ist sicher eine aufregende Sache. Ich ahnte bereits am Vorabend, dass etwas anders ist, weil meine Rudelführerinnen in Abschiedslaune waren. Still für mich hoffte ich natürlich, dass es diese beiden extrem aufgeregten, leicht naiven Gutmenschen sind, die mich adoptieren, welche neulich mit mir ins Hotel gefahren sind. Aber man steckt als Hund ja nicht drin. Ich konnte nur abwarten und Leckerlis fressen.

Gegen 11 Uhr vormittags an diesem sonnigen, hundedraußenspieltauglichen Dienstag im September 2014 durfte ich mit den Rudelführerinnen alleine in den Garten. Immer ein Zeichen für etwas Besonderes. Wir tobten so eine halbe Stunde herum, als ein sehr gediegenes Auto vorfuhr. HA!, dachte ich. Diese Schnöselkarosse kenne ich doch. Das sind ganz klar diese zwei Menschen von neulich, die extra diese dicke Schmuseautodecke für mich gekauft hatten. Genau die, auf die ich gehofft hatte. Letztlich hatte ich ja auch alles dafür getan, dass sie mich haben wollten. Mehr ging nicht! Außer mir vor Freude, galoppierte ich auf die Zwei zu und sprang wild herum bis die Frau sagte: „Nicht anspringen, Gerda!“ Pfff, irgendwas ist ja immer.

Gerda abfahrbereit

Gerda abfahrbereit

Die Menschen setzten sich an den Tisch, tranken schwarzes, heißes, ekelhaftes Zeugs und lächelten mich unentwegt an. Klar machte ich mich unvorstellbar süß und lieb, denn es gab heute irgendwie von allen Leckerlis satt, ohne dass ich mich groß anstrengen musste. Nach gut einer Stunde war es dann soweit. Die Rudelführerinnen wurden ganz traurig, die zwei Neuen waren ganz hysterisch und ich sprang schnell zu ihnen ins Auto, um ja alles richtig zu machen. Lieber die, als andere Komische…! Dann fuhren wir los. Immer weiter, immer weiter, immer weiter. Lang ausgestreckt auf meiner dicken Kuscheldecke hinten müssen mir irgendwann die Augen zugefallen sein. Hmmm, aber soooo gemütlich hier. Die Zwei vorne im Auto kicherten immer. Mir egal, Hauptsache gemütlich.

Gegen 17 Uhr kamen wir in einer Stadt an und hielten direkt in einem Wald. Es war, obwohl erst Mitte August, sehr herbstlich im Wald. Träge raschelndes Laub, feuchte, erdig duftende Waldböden mit tiefen Pfützen und kühle, frisch gefilterte Luft. Egal, wo ich meine Nase hinhielt, überall Fährten, unfassbar neue und interessante Duftnoten, andere Hunde, Bäume, Wiesen, Wege. HALLO?! HUNDEHIMMEL! Die beiden Menschen waren wieder ganz hysterisch. Riefen mir ununterbrochen Kommandos zu und ich wollte auch wirklich ihre Spiele mitspielen, aber bei all dem Sitz! und Platz! und Hier! und Lauf! kannte ich mich bald nicht mehr aus. Ich muss locker bleiben, dachte ich. Die Menschen lernen schon noch, wies geht.

Als wir in meinem neuen Zuhause ankamen, setzten die beiden sich zehenspitzenleise auf die Sofas und flüsterten nur noch. Ich ignorierte dieses eigenartig zarte Verhalten und sah mich interessiert um. Die Nase am Boden raste ich durch alle Zimmer. Aha, Körbchen hatten sie mir hingestellt (ganz nett), Trinknapf war da (Gott sein Dank), Liegedecke im Wohnzimmer (pfffff, da nehme ich doch lieber den flauschigen weißen Teppich der Menschen, statt die Hundedecke. Höhö).

Gerda @ home

Gerda @ home

Ich kolportiere, diese zwei Menschen haben erstmal an alles gedacht. Fehlt nur noch das Essen. Ich legte mich brav ins Körbchen und hoffte, dass sich die Menschen nun auch mal entspannen würden. Es ist doch alles gut. Ich mache doch alles, was sie von mir erwarten. Ich versuche hier wirklich einen akkuraten Eindruck zu machen, also kein Grund zur Aufregung! Ich war sehr froh, als die Menschen endlich im Bett waren und ich meine Ruhe hatte. Leider haben sie bis halb 2 in der Nacht geflüstert. Habe ein paarmal laut vernehmlich gegrunzt, um ihnen zu zeigen, dass das nervt!

Die ersten Tage mit den zwei Menschen waren hammerstressig. Straßenlärm, gefühlte 102.367 neue Regeln und Kommandos, zwei komplett durchgedrehte Menschen an meiner Seite und alles neu zu entdecken. Die Menschen fahren einmal täglich mit mir irgendwohin, zum langen Spaziergang. Das ist total lustig, aber auch anstrengend. Die Menschen weisen mich ständig darauf hin mit den anderen Hunden zu spielen. Sind wir hier im Kindergarten?

Gerda jagt

Gerda jagt

Leck mich am Arsch, ich spiele doch nicht mit den Hunden, wenn es Mäuse, Enten, Hasen und anderes Zeugs zum jagen gibt! Das passt den Menschen gar nicht, höhö, aber sie habens noch nicht drauf, etwas dagegen zu unternehmen! Das sind MEINE Menschen! Bin neulich auf einen Baum geklettert, kein Scherz, um Vogelnester aufzutreiben. Die Menschen total überfordert. Leider war unter dem Baum ein See und als der Typ laut nach mir rief, fiel ich vor Schreck ins Wasser. Aber ich habe mich elfengleich und äußerst athletisch wieder auf den Baum gezogen und bin dann zu den Menschen gerannt mit meinem „Klar, wenn ihr ruft höre ich doch sofort Blick“. So lustig hier!

Noch denken die Menschen, dass ich hammermäßig gut funktioniere. Sie wissen ja nicht, dass ich es erstmal langsam angehen lasse. Sie wachsen ja schließlich mit ihren Aufgaben und ich will nicht, dass sie mich gleich wieder abliefern. In ein paar Wochen fangen wir an, uns langsam zu steigern mit Türen öffnen, aufs Sofa springen und eventuell die Einrichtung zerlegen. Mal sehen, was so geht. Gestern habe ich ihnen schon mal die Aufschnittplatte vom Tisch geklaut. Tja, wer nicht mitdenkt, den bestraft das Leben. Hach ja, diese Menschen müssen noch so viel lernen!

 

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