2 Kommentare

Zack zack Entspannung!

Manchmal wird mir alles zu viel.
Arbeit, Freizeit, Social Media, Smartphone, reden, reden, reden, organisieren, Termine, Gedanken, Lärm auf der Straße, Menschen überall, Bedürfnisse.

Der Kopf dröhnt. Die Gedanken flippen durch die Gehirnwindungen wie sich spiegelnde Metallkugeln in einem Flipperautomaten. Freiheit, Ruhe, Selbstsein, das ist die Sehnsucht. Wie erfüllt man sie, die Sehnsucht? Ich müsste mehr meditieren, mehr Yoga machen, mehr progressive Muskelentspannung, mehr lesen. Mehr, mehr, mehr.

Aber schon die Vorstellung davon, was ich alles tun könnte, müsste oder sollte, löst erneut Druck aus. Lässt die Kugeln flippen. Dass, was wirklich wichtig wäre, nämlich NICHTSTUN, das kann ich nicht. Wie geht das? Sich auf einen Stuhl oder ein Sofa setzen? Am Fenster stehen? Anhalten, innerlich und körperlich? Augen schließen? Nichtstun scheint mir die schwierigste Übung von allen. Selbst beim Yoga, Spazierengehen oder beim Meditieren bin ich noch aktiver, als ich sein möchte.

Nichtstun ist nicht erlaubt in unserer Gesellschaft. Nichtstun ist verpönt und überflüssig. Nutzlos und nicht maximierend. Kein Wachstum. Nichtstun fühlt sich falsch und fremd an. Ich erinnere mich an einen gezeichneten Sketch von Loriot. In dem Gag sitzt ein Mann im Wohnzimmer und tut nichts. Seine Frau rennt geschäftig hinter ihm in der Küche hin und her. Sie fragt ihn, was er tun möchte und kann nicht akzeptieren, dass er nichts tun möchte. Nur sitzen.

Neulich sah ich einen Werbspot im Fernsehen. Dort ging es einem Mann schlecht, weil er stark erkältet war. Kein Problem, sagt die Pharmaindustrie. Da gibt es doch ein pharmazeutisches Produkt, dass alle Symptome unterdrückt, so dass sich der Mann sofort wieder gut fühlt. Er kann arbeiten, konsumieren und produktiv sein. Als ich diesen erkälteten Mann sah, war mein erster Gedanke: Der muss ins Bett. Keine Medikamente, sondern eine Woche Tee trinken, schlafen und schon ist er gesund. Aber das ist in unserer Gesellschaft nicht vorgesehen.

Wir entwickeln uns scheinbar in eine Überaktivität, die mich ganz wuschig macht. Letztens hatte ich ein Buch in den Händen mit dem Titel »Rasant entspannt«! Da werde ich vor hurtiger Entspannung ganz hektisch. So, dann wollen wir mal flugs noch entspannen und zack zack wird weitergearbeitet!

Ich komme darauf, weil ich vor Kurzem in einem Kurzurlaub in Worpswede war. Wir kamen am Abend im Hotel an und wurden wie Familiemitglieder begrüßt. Wir bezogen das Zimmer, ich fiel aufs Bett, schloss die Augen und hatte nur noch einen Wunsch: nichts zu tun. Diese Umgebung hatte mich so entspannt, dass es funktionierte. Nichtstun. Ich fragte nach, bis wann im Hotel Frühstück serviert wird und die Hotelangestellte sagte: Nun schlafen Sie erstmal richtig aus. Wir warten mit dem Frühstück auf Sie.«

Atmen!

Nichtstun kann folglich gelingen, wenn es die Menschen um dich herum zulassen und/oder du dich befreist .

Advertisements

2 Kommentare zu “Zack zack Entspannung!

  1. Ich versteh dich so gut. Ich mag keine Termine. Ich mag auch keinen Urlaub, das sind wieder Termine. Auch Freunde treffen – ich weiss, es klingt hart – sind Termine. Ich habe gelernt, mich ernst zu nehmen. Ich führe eine Agenda und schaue, dass ich genügend weisse Zeit zwischen den Terminen habe. Wenn es für mich nicht mehr gut aussieht, sage ich nein. Nein sagen ist schwer. Ich musste es lernen. Und fühlte mich schuldig. Hörte, Freunde sind Entspannung, Ferien ist ausspannen. Aber: Für mich sind es Termine. Und ich mag die nicht. Ab und an kann man ja spontan, wenn es grad passt, mal bei Freunden anfragen – sie dürfen dann auch nein sagen. Sie können ebenfalls spontan anfragen – wenn’s passt: super – wenn nicht: nein sagen.

    Man kann es lernen. Es ist nicht leicht, aber die Zeit bringt Fortschritte. Und es tut gut.

  2. Du triffst den Nagel auf den Kopf!

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: