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Leipziger Buchmesse Teil 2 – Lesungen – #lbm15

Lesungen

Ich habe die diesjährige Buchmesse genutzt um mir Lesungen anzuhören. Nichts anderes. Nur Lesungen. Keine Workshops, keine Diskussionen, keine Gespräche, keine Vorträge. Nur Lesungen. Roman- und Sachbuchlesungen. Und ich habe interessiert die qualitativen Unterschiede zur Kenntnis genommen.

Am Freitag wollte ich zu der Lesung eines recht bekannten Autors eines, recht großen Verlagshauses. Ich freute mich sehr darauf und ging bewusst etwas früher zu dem Literaturforum da ich mir vorstellte, dass es sehr voll werden würde. Durch mein verfrühtes Erscheinen kam ich in den Genuss, noch 10 Minuten der Lesung eines anderen Autors mitzuerleben. Ein Krimiautor der toll reden, lesen und Spannung aufbauen konnte.

Wie erwartet war das Forum bereits sehr voll. Ich musste stehen, am Rande, kein Sitzplatz mehr frei. Kein Problem. Ich war fasziniert von dem vortragenden, mir unbekannten Autor und lauschte andächtig. Kurz vor Ablauf seiner Lesezeit kam dann der bekannte Autor. Er war groß, auffallend, selbstbewusst und nahm plötzlich all den Platz ein, der dem lesenden Autor zustand. Der bekannte Autor stellte sich dann direkt vor mich und eine kleine Gruppe Zuhörer und unterhielt sich laut mit seiner Entourage. Ich ärgerte mich sehr! Erstens empfand ich es als ungemein respektlos seinem Kollegen, dem lesenden Autor gegenüber, sich hier hinzustellen und sich laut zu unterhalten. Zweitens wollten wir, die dort standen, dem Autor zuhören, was so nicht mehr möglich war. Ich konnte weder zuhören noch zusehen. Spätestens, als man dem lesenden Autor gebot zum Ende zu kommen und die Besucher sich dann um die freiwerdenden Plätze stritten, beschloss ich zu gehen. Grotesk, lautete mein Urteil.

Mein Ding war es ohnehin, auf der Buchmesse die unbekannten Autoren aufzuspüren. Die, von denen man nie gehört hat, deren Bücher aber sicher nicht minder hochwertig sein werden. Bei meinen Besuchen merkte ich dann schnell, dass die Bücher sicher ähnlich hochwertig sind, aber die Lesungen leider nicht. Und wenn die Lesung schlecht ist, das merkte ich auch, ist es schwer, sich für ein Buch zu erwärmen. So, wie eine perfekte Lesung den unbedingten Wunsch des „Habenwollen“ auslöst, so kann eine schlechte Lesung eben das Gegenteil bewirken.

Buchmesse atmen

Buchmesse atmen

Du hörst die Lesung eines erfahrenen Autors. Der Verlag hat ihm/ihr jemanden zur Seite gestellt. Es wird ein Gespräch geführt. „Wie kamen Sie auf die Idee?“ „Wie haben Sie recherchiert?“ „Wie stelle ich mir Sie bei der Arbeit vor?“ etc. Man wird als Leser an das Buch herangeführt, erfährt viel über dessen Hintergrund und will ein Teil dieses Prozesses werden. Teilhaben. Ist gespannt. Ist neugierig. Ist aufgeregt. Ist fasziniert. Dann liest der Autor 2 – 3 Passagen. Idealerweise beginnt er mit einer sehr spannenden, interessanten Stelle, die einen gleich gefangen nimmt und endet mit einer Stelle, an der man unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Ich liebe das Enden von Lesungen mit den Worten „[…] und dann geschah plötzlich…!“ Ende der Lesung. Da kribbelt es gleich überall und man möchte auf jeden Fall der erste Kunde in der Messebuchhandlung sein.

Dann kommt die nächste Lesung. Der/die AutorIn kommt mit einem Verlagsmitarbeiter an das Pult. Der Verlagsmitarbeiter sagt: „Das ist AutorIn XY, der/die wird nun für Sie lesen. Unser Stand ist da hinten. Viel Spaß.“ Und geht. Zurück bleibt ein unsichere/r, alleingelassene/r AutorIn, der/die irgendwie versucht, die halbe Stunde herumzukriegen. Er/Sie stottert, liest viel zu schnell und viel zu leise. Ich kann nichts verstehen. Das Mädel am Mischpult, das die Mikros regelt macht gerade eine kurze Pause, nachdem der wichtige Autor gegangen ist. Immer mehr Zuhörer stehen während der Lesung auf und gehen. Ich weiß gar nicht worum es geht und je länger ich bleibe, desto weniger interessiert es mich. Am Schluss verabschiedet sich der/die AutorIn bei den verbliebenen 3 Zuhörern und sagt: „Danke, dass Sie geblieben sind. Das war meine erste Lesung.“

Das tut mir leid. So kann man leider keine Bücher verkaufen. Lesungen sind wichtig. Und die Autoren haben sich alle gut vorbereitet, aber ein wenig mehr Unterstützung von allen Seiten, wäre wünschenswert. Die Diskrepanz zwischen ohnehin bereits erfolgreichen Autoren und unbekannten Autoren ist bei Lesungen groß. Wenn du einen Namen hast, kriegst du jeden Support. Wenn nicht, musst du alleine klarkommen. Und: Lesungen sind, habe ich hier gemerkt, entscheidend wichtig für einen Buchkauf. Bei mir jedenfalls stand und fiel das Interesse für einen Buchkauf mit der interessanten Lesung.

Ich habe übrigens auch Lesungen mit durchaus bekannten Autoren gesehen und der Verlagsmitarbeiter war dennoch absolut desinteressiert. Das war peinlich. Da hat es dann aber die Autorin mit ihrer interessanten und offenen Art rausgerissen. Und: Ich habe Lesungen von unbekannten, alleingelassenen Autoren gesehen, die toll waren und deren Bücher ich mir in jedem Fall besorgen werde.

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