Hinterlasse einen Kommentar

Oberfläche

Denke ich an Oberfläche, denke ich an Oberflächlichkeit. Dabei hat das Wort durchaus eine physikalische, sachliche Seite, mit der man sich geschickt aus der Affäre ziehen könnte. Aber ich bin nicht mathematisch begeistert. Auch habe ich nichts mit Oberflächenphysik am Hut. Nicht einmal geografisch kann ich mich diesem Thema annähern. Nur intuitiv. Introvertiert. Nach innen suchend.

Spiegelglatt, fluffig, seidig, eiskalt, stachelig, rau, ledern, hölzern, uneben, picklig, klebrig. Die Beschaffenheit von Oberflächen lässt sich in unendlich viele Adjektive pressen. Man kann sie fühlen, sehen, riechen, messen. Doch sie ist und bleibt »nur« eine äußere Hülle. Wie viel wissen wir vom Inhalt, wenn wir die Oberfläche berühren? Kommen wir je weiter hinein? Oder ist die Oberfläche eine nicht permeable Membran? Wir benötigen Transporthilfe, um die Oberflächenmembran zu überwinden.

Menschlich betrachtet ist Oberfläche das, was wir als Erstes sehen. Ein- oder vielleicht auch zweidimensional. Wie häufig sieht man glatt polierte Oberflächen, die sich beim genauen Hinschauen als porös oder vernarbt herausstellen.

Was sich unter Oberflächen befindet (Inhalt, Gehalt, Tiefe) ist schwer zu erarbeiten. Denn es ist niemals sichtbar. Kann man seinen Instinkten trauen? Bei anderen? Bei sich selbst? Die Tiefe des Menschen ist vergleichbar mit einem Ozean. Kilometertief. Schwarz. Sie ist so dunkel und offensichtlich unerreichbar. Man kann nicht atmen und verliert die Orientierung. Man fällt. Endlose Tiefe. Endloses Fallen.

Aber wer sich nicht die Mühe macht unter Oberflächen zu schauen, wer niemals seinen Gefühlen vertraut, der wird niemals die Vielfalt und Schönheit des bunten, prachtvollen, reichen Lebens darin finden. Ein Ozean voller bunter Fische, gigantischer Pflanzen und nie dagewesener Schätze. Gold, Silber, Diamanten, Smaragde, Juwelen, die in verborgenen Wracks darauf warten geborgen zu werden. Die Schönheit der Tiefe. Tiefgründigkeit. Gleitend, schwebend, lautlos, schwerelos, sehend. Der wird nie begreifen, was Leben, Erfahrung, Liebe wirklich mit uns machen. Hell werden.

Die Oberfläche scheint nur hell. Sie vermag jederzeit zu täuschen. Sie ist die Tür, die zu öffnen manchmal kompliziert, manchmal aussichtslos scheint. Die Tür, die zu öffnen aber immer belohnt wird.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: